RIEHEN / BASEL

DER MENSCH UND DIE NATUR 

Bildnisse und Portraits - Das Menschenbild 

22. Februar bis 18. Mai 2019

Einladungskarte (PDF)

Onlinekatalog (PDF)

 

  • Bargheer 1965 2A Kopf

    Eduard Bargheer
    Kopf.
    Aquarell auf Bütten 1965.
    42,5 x 32 cm.
    Obj. Id: 66227

     

     

  • Luepertz 2013 2A Arkadien - Diana

    Markus Lüpertz
    Arkadien - Diana.
    Mischtechnik auf Papier 2013.
    163 x 133,5 cm. 
    Obj. Id: 79739

  • Heckel 1915 5H D301 Bildnis PR

    Erich Heckel
    Bildnis PR.
    Holzschnitt aquarelliert 1915.
    35,4 x 26,8 auf 59,2 x 49,4 cm.
    Obj. Id: 75291

  • Macke 1913 1G Heiderich 466 Bildnis Walter Macke 01

    August Macke
    Bildnis Walter Macke mit Rosenstrauss.
    Öl auf Leinwand 1913.
    Heiderich G 466. 78 x 85 cm.
    Obj. Id: 80328

     

     

  • Nolde 1937 5H SM193 II Doppelbildnis

    Emil Nolde
    Doppelbildnis.
    Holzschnitt 1937.
    31,6 x 22,5 auf 41 x 30 cm.
    Obj. Id: 75133

     

     

  • Kirchner 1921 1G G0698 Portrait Bosshart 02

    Ernst Ludwig Kirchner
    Portrait Bosshart.
    Öl auf Leinwand 1921.
    Gordon 698. 70 x 60 cm.
    Obj. Id: 64081

 

DER MENSCH UND DIE NATUR
Bildnisse und Portraits - Das Menschenbild
 


22. Februar bis 29. Mai 2019

 

Wenn wir an Bildnisse und Portraits denken, können wir auf eine Jahrtausende umfassende Tradition in der Menschheitsgeschichte zurück blicken. Die ältesten, uns heute bekannten, also erhalten gebliebenen anthropomorphen Darstellungen, stammen aus dem Jungpaläolithikum und wurden vor Allem in Russland und Mitteleuropa entdeckt. Diese sogenannten „Venusfigurinen“ zeichnen sich meist durch sehr ausgeprägte weibliche Merkmale aus, mit besonders starker Betonung der Brüste und des Gesässes, sowie einem prononcierten Bauch und breiten Schenkeln, sodass man diese heute als hochschwanger oder stark übergewichtig interpretieren würde. Vernachlässigt hingegen ist vorwiegend die Ausarbeitung des Kopfes und der unteren Gliedmassen. Die Benennung nach der viel später aufkommenden römischen Göttin der Schönheit und der Liebe ist als Umschreibung vollständiger Nacktheit anzusehen. Heute wird im Kreise der Wissenschaftler auch bevorzugt die Bezeichnung „Frauenstatuetten“ genutzt, um Missverständnissen vorzubeugen. Hergestellt wurden diese Figürchen vorwiegend aus Stein, Knochen oder Elfenbein, seltener auch aus gebranntem Ton oder Lehm und sie weisen eine maximale Größe von 20 cm auf. Ihre Funktion bleibt für uns weitgehend ungeklärt: Einigermassen gesichert ist, dass diese weiblichen Statuetten, im Gegensatz zu den einigen wenigen männlichen Ausführungen aus der Zeit, nicht als Gebrauchsgegenstände genutzt wurden. Allgemein werden sie als Fruchtbarkeitssymbole angesehen, welche die menschliche Fruchtbarkeit stimulieren sollten oder sie werden als Darstellungen einer frühen Gottheit gedeutet. Seltener ist die Interpretation im Sinne der Darstellung einer matriarchalischen Gesellschaft oder der Beschwörung reichlicher Nahrungsversorgung. Ein weiterer - erstaunlicher - Deutungsansatz sieht in diesen weiblichen Bildnissen den Versuch sich selbst darzustellen, was die Verkürzung nach unten hin erklären würde: Brüste, Bauch und Hüften sieht eine Frau, die an sich selbst nach unten schaut, am prominentesten, die Unterschenkel und Füsse hingegen am kleinsten. Dies würde auch die meistens fehlende Darstellung des - für die sich selbst Darstellende nicht sichtbaren - Kopfes erklären.

Die frühesten heute bekannten Bildnisse dieser Art sind die Venus vom Hohlefels und die Venus vom Galgenberg, die nach ihren Fundorten benannt wurden. Die etwa 6 cm grosse, aus Mammut-Elfenbein geschnitzte Venus vom Hohlefels wurde 2008 auf der Schwäbischen Alb gefunden und datiert auf etwa 35‘000 bis 40‘000 Jahre zurück. Sie zählt somit zu den weltweit ältesten Darstellungen des menschlichen Körpers, deren Kopf zu einer Öse ausgearbeitet wurde und somit den Gebrauch als Anhänger nahelegt. Ausgeprägt sind in diesem Fall die kurzen Arme und Hände, die um den Oberkörper gelegt sind. Die ähnlich datierbare Venus vom Galgenberg wurde 1988 in Niederösterreich gefunden. Sie misst 7,2 cm, besteht aus grünem Serpentin und wird als Tänzerin oder Jäger mit einer Keule gedeutet. Sie ist rückseitig flach und frontseitig plastisch ausgearbeitet.

Viel bekannter und typischer in der Ausarbeitung ist die Venus von Willendorf, die bereits 1908 in der Wachau ausgegraben wurde. Diese rund 11 cm hohe Statuette besteht aus Oolith (Sedimentgestein) und war ursprünglich mit Rötel verziert. Ihr Alter wird auf 29‘500 Jahre angesetzt. Diese Statuette einer weiblichen Figur wurde lange als so wertvoll eingeschätzt, dass nur eine Kopie davon dem breiten Publikum zugänglich war, erst in jüngster Zeit, 1998, wurde das Original anlässlich einer Ausstellung in Schloss Schönbrunn gezeigt und ziert nun die Ausstellungsräume im naturhistorischen Museum in Wien.

Von diesen sehr frühen Bildnissen bis zum heutigen Tage ist viel geschehen. Der Mensch hat jedoch diese Form der Selbstdarstellung konsequent weiter verfolgt. Er hat sich selbst und seine Mitmenschen immer und immer wieder plastisch und dann malerisch dargestellt. Es seien hier die wichtigsten Etappen in der europäischen Kultur erwähnt, von denen unsere heutigen Kunstschaffenden beeinflusst werden, wie die Kykladischen Idole, die bei Ausgrabungen auf den Inseln der Ägäis zu Tage gekommen sind. Es handelt sich hauptsächlich um Artefakte aus Marmor, vorwiegend aus Paros und Naxos, die zwischen 5‘000 und 2‘000 v. Chr. datieren. Bei diesen Idolen wird eine religiöse Bedeutung vermutet: Sie könnten als kultischer Gegenstand genutzt, als Götterbild verehrt oder als Grabbeigabe verwendet worden sein. Genaueres kann man heute leider nicht mehr feststellen, da viele Exemplare aus Raubgrabungen stammen und somit der archäologische Kontext nicht wiederherzustellen ist, wodurch eine eindeutige Bestimmung nicht mehr möglich ist. Diese Figuren waren meist zwischen 20 und 35 cm gross, konnten aber auch annähernd Menschengrösse erreichen. Bei Auffindung dieser Idole fanden diese zunächst keine grosse Beachtung in der Kunstwelt, erst durch das Aufkommen der abstrakten Kunst wurden auch die kykladischen Figuren gebührend geschätzt, was beispielsweise bei Künstlern wie Hans Arp, Constantin Brancusi, aber auch Alexej von Jawlensky zum Ausdruck kam.

Frühe gemalte Darstellungen des menschlichen Körpers sind aus der geometrischen Kunst (900-675 v. Chr) bekannt, wobei hier die Bedeutungs-Perspektive zum tragen kam: Zumeist im Verlauf kultischer Grabrituale erschienen hier auf Vasen und Amphoren Silhouetten mit Kopf und Rumpf en face und Gesäss und Beinen im Profil, sodass jedes Körpermerkmal so ausgeprägt wie möglich in Erscheinung trat.

Ebenfalls im antiken Griechenland emanzipierte sich die Darstellung der menschlichen Figur in der archaischen Kunst zum Kouros und zur Kore, zum lebensgrossen und überlebensgrossen freistehenden Standbild, meist aus Marmor. Kouroi und Koren hatten ihre Vorläufer in den ägyptischen Standbildern der Pharaonen und zeichnen sich durch strenge Symmetrie und Frontalität aus. Die Extremitäten sind axial ausgerichtet in leichter Schreithaltung und die physiognomischen Merkmale sind stark idealisiert bis hin zum charakteristischen „archaischen Lächeln“. Sie wurden als Votivgaben, als Grabsteine in Heiligtümern und Grabstätten aufgestellt. In späteren Epochen entstanden dann Skulpturen, die ausgreifender und bewegter waren, die dann auch die römische Kunst beeinflussen sollten. So eroberten sie den gesamten europäischen Kontinent.

Wie wir gesehen haben, gehört die Darstellung des Menschen zu den ältesten Motiven in der Kunst. Ausführungen in Bronze und Malerei gehörten auch in der Antike dazu, sind aber leider nur in seltenen Fällen erhalten, weil das Metall so wertvoll war, dass es eingeschmolzen sowie wiederverwendet wurde bzw. weil fast alle Malereien die Zeit nicht überdauert haben. Etwa um 1500 v. Chr. entstand eine der ersten Portrait-Darstellungen, die sogenannte goldene Maske des Agamemnon. Auch die ägyptische Kunst sowie die griechische und dann die römische Antike kannten portrait-ähnliche Malerei und Plastik, wobei der naturnahen Darstellung der Gesichtszüge keine grosse Bedeutung zukam. Es handelte sich vorwiegend um idealisierte Gesichter, nicht um physiognomisch getreue Darstellungen des Portraitierten. Vor Allem aus der römischen Antike sind Portraits als Büste und als Fresko erhalten, sowie auf Münzen.

Nach einem geringen Interesse an der Portrait-Darstellung während des Mittelalters, gelangte das Genre zu neuer Blüte mit verstärktem Interesse für individuelle Merkmale in der Spätgotik und besonders während der Renaissance bis zum Barock, als nicht nur Herrscher, sondern auch Feldherren, Bankiers, Bürger, Gelehrte, Beamte, Kirchenmänner und Kaufleute derartige Bilder in Auftrag gaben. Der naturgetreuen Wiedergabe zuträglich war die Einführung der Ölmalerei zuerst im Norden, dann auch im Süden Europas und die Entwicklung des „Sfumato“ zur Wiedergabe des Inkarnats durch Leonardo da Vinci. Dieser Siegeszug der Darstellung von Persönlichkeiten dauerte bis zur Entwicklung der Portraitfotografie Mitte des 19. Jahrhunderts an, als die Ablichtung die wichtige Aufgabe der Verewigung des Menschen übernahm.

Eine Sonderrolle nahm das Selbstbildnis ein, bei dem sich viele Künstler dank eines Spiegels, später einer Fotografie von sich selbst, oft bei der Arbeit, darstellten. Dies gerne mit entsprechenden Attributen: Staffelei, Farbpalette, Pinsel oder Modell. Das Selbstportrait gewann an Bedeutung während der Renaissance, als Künstler nicht mehr nur als reine Handwerker angesehen wurden, sondern Ihre Position den Philosophen, Literaten und Wissenschaftlern gleichstellten.

Obwohl die Fotografie die Aufgabe der Wiedergabe des Menschen weitgehend übernahm, können wir auch bei den modernen und zeitgenössischen Künstlern beobachten, welche wichtige Rolle die Darstellung des Menschen und das Selbstbildnis weiterhin spielten und spielen. Unsere Ausstellung zum Bildnis und Portrait soll dies beispielhaft im Werke von Künstlern vom Expressionismus bis heute zeigen.

Alexandra Henze Triebold

Galerie Henze & Ketterer
Kirchstrasse 26, CH 3114 Wichtrach
Tel. +41 (0)31 781 06 01
Galerie Henze & Ketterer & Triebold
Wettsteinstrasse 4, CH 4125 Riehen
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