Darya von Berner: Hund-Ert, 2003

(Text zur Ausstellung)

Darya von Berner schreibt zu dieser Ausstellung:

«„Hund-Ert" ist eine kollektive Schöpfung. Jeder Hund und sein Besitzer sind durch eine gegenseitige (liebevolle) Zuneigung vereint. Zusammen ergeben viele Hunde und viele Besitzer mehrere Tonnen energiegeballter Zuneigung. Davon handelt „Hund-Ert"...

Mit „Hund-Ert" habe ich die geschlossene Dualität von Werk/Rezeption die sonst gewöhnlich in der Kunst besteht, sprengen wollen – stattdessen, schlage ich den Zustand, die „Situation" vor.

Wir besitzen Hunde weil wir von ihnen wissen, dass sie sich aktiv an unserem Leben beteiligen, indem sie uns lieben, uns zum Austausch auffordern ... spielend - und was ist das Spiel anderes als eine Utopie der Freiheit, wie E. Bloch sagte.

Darüber hinaus möchte diese Ausstellung den Rahmen der augenscheinlichen Banalität sprengen, die möglicherweise ein Fremder bei Betrachtung der Hundefotographie eines anderen Menschen empfinden könnte. Es besteht eine symbolische, individuelle und kollektive Intelligenz und es besteht ausserdem eine unendliche Variation an Beziehungssystemen nach ästhetischen, emotionalen und sozialen Gesichtspunkten. Exakt hier findet der Künstler ein hervorragendes Wirkungsfeld.»

(Darya von Berner, 22. Januar 2003; Ăśbersetzung von Dolores Hackenberg)

Wenn auf der einen Seite die Installationen der spanischen Künstlerin Darya von Berner die für diese Gattung charakteristische Eigenschaft der Vergänglichkeit übernehmen, so wird diese auch gleichzeitig durch die von vorn herein festgelegten Stationen in Frage gestellt. Installationen sind von Natur aus nicht auf Dauerhaftigkeit angelegt, sondern auf den Zeitraum einer Ausstellung. Demzufolge sind sie ortsgebunden und –abhängig. Die beiden Installationen „Lupus Viator" und „Marsch der Elefanten" hingegen entbehren der zeitlichen Begrenzung durch die Wiederherstellung an anderem Orte. Dass es sich dabei nicht um Objekte oder Bilder handelt, die wieder aufgebaut oder aufgehängt werden können, sondern um Freskomalerei, macht den Vorgang um so interessanter. Es handelt sich um raumausfüllende Installationen, bei denen von Berner die traditionsreiche Technik des Freskos verwendet hat, aber nicht als klar abgegrenztes Wandgemälde, sondern raumübergreifend. Die Darstellungen der oftmals vergrösserten und fragmentarischen wilden Tiere nehmen auch Türrahmen, Türen, Fenster, Bodenleisen, Gegenstände – wie Stuhle - angrenzende Wände aber auch Decken und Fussböden ein. Als solle die Unmöglichkeit deren Zähmung und Domestizierbarkeit betont werden.

Gleichzeitig zu diesen Installationen sind zahlreiche Bilder mit fragmentarischen Darstellungen verschiedener, ebenfalls nicht massstabsgetreuer, wilder Tiere auf Leinwand oder Samt entstanden, die durch den ausserordentlich dicken Keilrahmen und den schützenden Plexiglaskasten eher als Wandobjekte anzusehen sind. Nicht nur die Detailauswahl bei der Wiedergabe der Hirsche, Füchse, Wildschweine oder Elefanten betonen unzähmbare Freiheit, sondern auch der Pinselduktus versucht nicht die Lebewesen einzuengen. Angeschnittene Tierkörper scheinen aus der Darstellung hinauszuspringen, wachsen über die Bildabgrenzungen hinaus. Das Fehlen einer eindeutig erkennbaren und definierten Kontur unterstreicht dies. Die Tierabbilder wachsen von Innen nach Aussen mit kurzen Pinselstrichen, als sei es das Anliegen der Künstlerin nur die Lichtreflexe auf dem Fell des Tieres einzufangen, nicht aber dessen Körperlichkeit.

Die Installation „Hund-Ert" befasst sich im Gegensatz zu den gerade erwähnten nicht mit wilden Tieren, sondern ganz im Gegenteil mit denjenigen, die dem Menschen am nahesten stehen, die ihn im täglichen Leben begleiten und mit ihm alles teilen. Anhand von Fotografien hat Darya von Berner hundertvierzig verschiedene Werke gemalt, die von der Beziehung zwischen Hund und Mensch berichten.

„Hund-Ert" besteht aus hundertvierzig 27 x 41 cm grossen Thermographien und einer Bodenskulptur. Die Installation bezieht sich auf die tägliche Umgebung von Hunden aus der Schweiz und aus Spanien sowie deren Besitzer. Diese Installation ist eine Hommage der Künstlerin an den vor einem Jahr verstorbenen Galeristen Othmar Triebold.

Unser besonderer Dank gilt all denjenigen, die sich bereit erklärt haben, Fotografien ihres oder ihrer vierbeiniger Begleiter zur Verfügung zu stellen.

Die Ausstellung „Hund-Ert" wird über die hierfür von Darya von Berner geschaffene gleichnamige Installation hinaus, Werke auf Leinwand, Samt und Papier der 90er Jahre umfassen.

Galerie Henze & Ketterer
Kirchstrasse 26, CH 3114 Wichtrach
Tel. +41 (0)31 781 06 01
Galerie Henze & Ketterer & Triebold
Wettsteinstrasse 4, CH 4125 Riehen
Tel. +41 (0)61 641 77 77