Paolo Serra: Variazioni sulla serie di Fibonacci, 2005

(Text zur Ausstellung)

Unter dem Titel Variazioni sulla Serie di Fibonacci pr├Ąsentiert der aus der N├Ąhe von Rimini stammende Serra eine Gruppe von Bildern, die w├Ąhrend der vergangenen zwei Jahre entstanden sind. Die f├╝r ihn typische absolute technische Perfektion, der Umgang mit den Farben ÔÇô die vom K├╝nstler selbst im Atelier angemischt werden ÔÇô sowie die durch die ├ťberlagerung der Farblasuren erzielten transluziden Effekte sind in diesen Werken weiterhin charakteristisch. In dieser Ausstellung soll jedoch die Aufmerksamkeit auf den Aufbau gerichtet sein. Auf ein Konstruktionsverfahren das seinem gesamten Werk zu Grunde liegt.

Die immer wiederkehrenden Motive ÔÇô Kreis, Quadrat, Rechteck -, die sowohl als Darstellung, wie auch in den Bildabgrenzungen zu finden sind, unterliegen Grunds├Ątzen, welche der Fibonacci Reihe abgeleitet sind. Jede Distanz entspricht entweder einer Zahl dieser Reihe, ihrer Summe oder Multiplikation.

Es stellt sich nun die Frage, worum es sich genau bei der Fibonacci Reihe handelt und warum diese vom Serra derartig konsequent eingesetzt wird. 1202 fasste Leonardo Fibonacci (genannt Pisano), im Liber Abaci die w├Ąhrend seiner Reisen in arabische L├Ąnder gewonnenen Kenntnisse der Mathematik zusammen. Die darin enthaltene nach ihm benannte Zahlenreihe stellt sich aus einer Folge zusammen, bei der jede Ziffer aus der Summe der beiden vorangehenden besteht: 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89 ÔÇŽ Diese finden ihre Anwendung nicht nur in der Mathematik, sondern auch in der Biologie, Architektur, Wirtschaft und Informatik. Noch heute erscheint regelm├Ąssig eine Fachzeitschrift, die sich ausschliesslich mit mathematischen Fragen rund um die Fibonacci Reihe befasst. In der Natur zeugen beispielsweise Fr├╝chte wie Ananas, Trauben und Tannenzapfen, sowie Sonnenblumen von der Beziehung zu der Zahlenfolge, aber auch die Vermehrung von Hasen kann durch diese berechnet werden. Selbst die Entwicklung der B├Ârse versucht man mit ihrer Hilfe vorherzusagen und die modernen Pentium Prozessoren von Intel enthalten einen Fibonacci heap zur Algorythmenberechnung.

Was hat dies aber mit Kunst und Bildaufbau zu tun? Leonardo da Vinci untersuchte die Idealproportionen des menschlichen K├Ârpers und stiess ebenfalls auf die Fibonacci Reihe und zwar genauer auf den daraus ableitbaren Goldenen Schnitt. Bereits in der ├Ągyptischen und griechischen Architektur nachweisbar, wurde der Goldene Schnitt grundlegend auch f├╝r den Bildaufbau der Italienischen Renaissance. Heute noch verweisen viele K├╝nstler in ihrem Werk darauf.

Die intensive Auseinandersetzung mit der Kunst der vergangenen Jahrhunderte, bedingt auch durch die T├Ątigkeit als Restaurator, haben sicherlich sowohl die seinem Bildaufbau zu Grunde liegenden Prinzipien, wie auch die Technische Ausf├╝hrung von Serras Werken beieinflusst. Konsequent kn├╝pt er in seinen Werken an die Errungenschaften der Alten Meister an und ├╝bersetzt diese in seine ganz eigene Sprache: Wie Fenster ├Âffnen sich seine meist streng monochrom gehaltenen ├╝bereinander angeordneten Farbfl├Ąchen auf Welten, die das einfallende Licht zum Leben erweckt.


Paolo Serra: Distant Memories, 2009

(Text zur Ausstellung)

Effektvolle Farb- und Materialkontraste, perspektivische Effekte, Kenntnisse der traditionellen Maltechniken sowie die Kombination von mathematisch-wissenschaftlichen Grundlagen mit rein dem Zufall ├╝berlassenen Effekten zeichnen das Werk des 1946 in der N├Ąhe von Rimini geborenen Malers Paolo Serra aus, dessen neue Arbeiten ab dem 7. Februar in unserer Galerie in Riehen gezeigt werden.

Der Einsatz antiker Verfahren wie die mit Eigelb gebundenen Pigmente, die vom K├╝nstler im eigenen Atelier anger├╝hrt werden, die Verwendung von Lacklasuren auf Holztafeln sowie der Gebrauch von Blattgold beziehungsweise Kompositionsgold als Untergrund, aber auch der immerw├Ąhrende Bezug s├Ąmtlicher Dimensionen, sowohl was die ├Ąusseren Werkabgrenzungen wie auch diejenigen der dargestellten Formen betrifft, auf die nach Leonardo Fibonacci benannte Zahlenreihe, zeugen von einem starken Interesse und einer Verpflichtung gegen├╝ber den k├╝nstlerischen Verfahren vergangener Jahrhunderte. Dennoch vermag der K├╝nstler dies in eine ganz eigene k├╝nstlerische Sprache umzusetzen, die sich v├Âllig in die Entwicklung der modernen und zeitgen├Âssischen Kunst eingliedert.

Die auf die Grundformen des Quadrates und Rechteckes aufbauenden Kompositionen, in denen monochrom ausgef├╝hrte Fl├Ąchen ├╝ber dem Hintergrund zu schweben scheinen, bestehen aus einer ├ťbereinanderschichtung von bis zu mehreren hundert hauchd├╝nnen Farb- oder Lacklasuren. Ein langwieriger Prozess, der es dem K├╝nstler erlaubt, sich allm├Ąhlich dem gew├╝nschten Endergebnis zu n├Ąhern und immer wieder Feinabstimmungen vorzunehmen, gleichzeitig dem Betrachter den Entstehungsprozess bis ins Detail offenbart.

Die Wirkung der vollendeten Werke ergibt sich aus der Zusammensetzung von Untergrund, wof├╝r Serra gerne auf eine d├╝nne goldfarbige Metallschicht zur├╝ckgreift, und den dar├╝ber liegenden verschiedenfarbigen, hauchd├╝nnen durchscheinenden Farbschichten.

Unter dem Titel Distant Memories zeigt nun Paolo Serra eine Gruppe neuer Eitempera- und Lacktafelbilder, die tats├Ąchlich wie aus einer anderen Welt wirken. Der technische Perfektionismus in der Ausf├╝hrung, der Eindruck die Formen w├╝rden ├╝ber dem Bildgrund schweben, der h├Ąufig verwendete Goldgrund sowie der ausschlaggebende Anteil des Lichteinfalls an der Bildwirkung, wodurch die Werke eine eigene Leuchtkraft erhalten, verleihen diesen Fl├Ąchen etwas Erhabenes. Besonders hervorgehoben wird dies in Werken wie dem auf der Einladungskarte abgebildeten Polittico, wo der ausgew├Ąhlte mehrteilige Bildtr├Ągertypus ganz direkt auf religi├Âse Darstellungen der Vergangenheit aber auch Gegenwart verweist.

Paolo Serra l├Ądt uns auf diese Weise auf eine Reise in die Vergangenheit ein. Seine Bilder fordern uns auf, in sie einzutauchen, sie zu erforschen, durch die vielen Farbschichten, durch das senkrecht und waagerecht aufgetragene Farbgitter hindurchzuschauen, um den Bildgrund zu entdecken.

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