RIEHEN / BASEL

GEORGE GROSZ
Amerikanische Akte - 38 Aquarelle aus dem Nachlass

8. Februar - 31. Mai 2014

Mini-Katalog (PDF)

  • Grosz-1942-2A-Nackte-im-Boudoir 1-73-10

    George Grosz
    Nackte im Boudoir.
    Aquarell/Kohle/Bleistift 1942. 49,9 x 39,1 cm.
    Obj. Id: 79451

  • Grosz-1940-2A-Nackte -Cape-Cod 1-A22-2

    George Grosz
    Nackte, Cape Cod.
    Öl und Mischtechnik. 50 x 39,1 cm.
    Obj. Id: 79457

  • Grosz-1940-4Z-Stehender-weiblicher-Rueckenakt-429

    George Grosz
    Stehender weiblicher Rückenakt.
    Feder/Bleistift/Aquarell 1940. 49,8 x 39,2 cm.
    Obj. Id: 66525

  • Grosz-1941-2A-Lesender -stehender-weiblicher-Akt 1-72-8

    George Grosz
    Lesender, stehender weiblicher Akt.
    Öl/Rohrfeder/Bleistift 1941. 49,9 x 39,2 cm.
    Obj. Id: 79450

  • Grosz-1939-2A-Nacke -posierend 1-66-1-

    George Grosz
    Nackte posierend.
    Aquarell 1939. 50,1 x 39,3 cm.
    Obj. Id: 79458

  • Grosz-1940-2A-Maler-und-Modell -Cape-Cod 1-A24-5-

    George Grosz
    Maler und Modell, Cape Cod.
    Öl und Mischtechnik 1940. 50 x 39,2 cm
    Obj. Id: 79456

 

GEORGE GROSZ
Amerikanische Akte – 38 Aquarelle aus dem Nachlass

8. Ferbruar - 31. Mai 2014


Kern unserer kommenden Ausstellung wird eine Serie von in Amerika entstandenen Aktdarstellungen von George Grosz sein, die direkt aus dem Nachlass stammt. Diese ist Teil einer intensiven und fruchtbaren Auseinandersetzung mit dem Thema während der Zeit, die der Künstler fern von Deutschland verbracht hat. Fasziniert von dem fernen Land war er schon sehr früh. So änderte er seinen Namen von Georg Gross in George Grosz bereits 1916, als Zeichen seiner Abneigung gegenüber dem in Deutschland herrschenden Nationalismus sowie als klare Bekundung seiner Bewunderung für Amerika, wohin er vorausschauend bereits Anfang 1933 übersiedelte und somit nicht mehr die Machtergreifung der National-Sozialisten, die Beschlagnahmung seiner Werke, deren Zurschaustellung in der Ausstellung „Entartete Kunst“ sowie deren Zerstörung und seine Verfemung im eigenen Lande erlebte. Aus Amerika kam er erstmals 1951 wieder nach Europa und nach Deutschland. George Grosz wird mit Recht sowohl als deutscher wie auch als amerikanischer Künstler angesehen: Er erhielt 1938 die amerikanische Staatsbürgerschaft, die er 1935 beantragt hatte.

Aktzeichnen und –malen war Grosz seit seiner Ausbildungszeit  bekannt: Das Darstellen des nackten menschlichen Körpers, meist anhand eines lebenden Modells, gehörte und gehört zu den ersten Übungen eines angehenden Künstlers und Beispiele dieser Gattung finden sich im gesamten Oeuvre des Künstlers. Der mehr oder weniger nackte Körper, oft nur mit Hut, Strümpfen oder Schuhen, taucht unter anderem gerne in den für den Künstler so bekannten früheren satirischen, sozial- und gesellschaftskritischen Arbeiten auf. Die zu Beginn des XX. Jahrhunderts in Berlin künstlerisch so beliebten Grossstadtmotive, wie Strassenszenen, Revue, Ballett, aber auch Rummelplätze und andere Vergnügungsstätten, dienten als Vorlagen für einige der frühen Meisterwerke des Künstlers. Was bewog jedoch Grosz während seines Aufenthaltes in Amerika, sich in mehreren hundert Arbeiten auf Papier und Gemälden vorzugsweise mit dem Thema Akt auseinanderzusetzten?

Ausschlaggebend war mit Sicherheit die Tatsache, dass ihm ein geduldiges und inspirierendes Modell zur Verfügung stand: seine eigene Ehefrau Eva, der er 1918 zum ersten Mal begegnete und die er 1920 heiratete. Allein oder gemeinsam mit ihrer Schwester Lotte beflügelte sie die Phantasie des Künstlers und erscheint in unterschiedlichsten Posen im Innen- und Aussenraum, oft mit Requisiten oder in Kombination mit einem Selbstbildnis in Zeichnungen, Aquarellen, Mischtechniken und Gemälden. Bevorzugt hat Grosz stets üppige Formen, wobei er durchaus in der Darstellung diese wohl übertrieben und  seinen künstlerischen Vorstellungen angepasst hat. Auffallend ist die Fülle der in Amerika entstandenen farbigen Fassungen: Aktzeichnungen entstanden schon in Deutschland, aber seit der Übersiedlung nach Amerika finden wir eine ganze Reihe von mehreren Hundert Aquarellen und Mischtechniken, in denen besondere Aufmerksamkeit der Ausarbeitung der individuellen Merkmale gewidmet ist, sodass Eva als Modell eindeutig identifiziert werden kann. Konturen heben sich dabei stark voneinander ab, sind oftmals dunkel gehalten und man kann davon ausgehen, dass sich der Künstler der  Binnenzeichnung erst nach deren Ausarbeitung gewidmet hat, also dass auch in den Aquarellen zuerst das Motiv als Umriss angelegt wurde, um dann koloriert zu werden, wodurch hohe Plastizität entstand.

Grosz lehrte und verdiente sich zum Teil den Lebensunterhalt in Amerika durch Kurse im Aktzeichnen. Bereits 1931 erhielt er eine Einladung der renommierten Kunstakademie „Art Students League“ aus New York, dort Kurse zu halten. Erst ein Jahr später nahm er die wiederholte Aufforderung an und lehrte immer wieder bis zu seiner Rückkehr 1959 nach Deutschland sowohl an diesem Institut, wie auch an seiner eigenen Kunstschule „Sterne-Grosz-Studio – For the Art in Painting“. Dies fiel ihm nicht immer leicht, ganz im Gegenteil entwickelte sich eine Abneigung gegenüber seiner Lehrtätigkeit, die es ihm mehr und mehr erschwerte, dieser nachzugehen. Sicherlich auch bedingt durch die Tatsache, dass seine prekäre finanzielle Lage - keine Verkäufe mehr in Deutschland und noch kaum welche in den USA - zu der Zeit ihn dazu zwang weiter zu lehren. Sehr wahrscheinlich war es aber gerade diese intensive
Beschäftigung mit der Vermittlung und Lehre der Darstellung des Aktes, die Grosz inspirierte und zu eigener künstlerischer Auseinandersetzung mit dieser Gattung führte.

Ganz allgemein kann im Oeuvre von Grosz eine Zäsur beobachtet werden, die mit der Übersiedlung nach Amerika zusammenhing. Die Entfernung von dem Land, dessen politische und soziale Entwicklung er künstlerisch auf das härteste kritisierte und an den Pranger stellte, gab den Weg für ihm vielleicht kongenialere Sujets frei: der Akt im Innen- sowie im Aussenraum und reine Landschaftsdarstellungen (gerne Cape Cod, wo er ab 1939 die Sommermonate verbrachte). Beides künstlerische Themen mit einer zwar jungen, aber bedeutenden Vergangenheit und Gegenwart. Der Aufenthalt in Amerika scheint in Grosz das Verlangen nach Auseinandersetzung mit weniger aufrührenden Themen eben mit der Schönheit schlechthin geweckt zu haben.

Gründe für die dann definitive Übersiedlung in das ferne Land waren selbstverständlich die offenen Anfeindungen, denen Grosz in Deutschland ausgesetzt war. Wiederholt wurde er angezeigt und erhielt Hetzschreiben mit Drohungen. Auch dies kann Grosz dazu bewogen haben, sich intensiver mit dem Akt zu beschäftigen.

Nicht auszuschliessen ist darüber hinaus, dass der amerikanische Markt dem Künstler - vermeintlich oder tatsächlich - andere Thematiken nahelegte. Vielleicht sind die neuen Landschaften, Akte und erotischen Szenen im Werk von Grosz durchaus im Hinblick auf den Geschmack eines neuen Käuferpublikums entstanden.

Nicht weniger bedeutungsvoll für die Beschäftigung mit dem weiblichen Körper war auch ein prägendes Jugendereignis: Mit vierzehn Jahren beobachtete Grosz, wie sich eine 38jährige Frau auszog. Dieses Erlebnis brachte er vier Jahrzehnte später so ausführlich zu Papier, mit eingehender Beschreibung der wohl besonders beliebten reifen Körperformen, dass man diesen Passus aus seiner Autobiographie als schriftliche Vorlage für seine Huldigungen an den weiblichen Akt ansehen kann. Kaum erstaunlich, dass dieser im Oeuvre gerne als „Sich Ausziehende“ auftaucht.

Schliesslich war es wohl auch die Leica-Kamera, die anlässlich der Überfahrt nach Amerika gekauft wurde und die zur Ablichtung wohl auch seiner Frau eingesetzt wurde, die zu einer weniger der Phantasie, als zunehmend der Realität verpflichteten künstlerischen Auseinandersetzung führte.

Der Bedeutung des Begriffes Akt folgend, der sich aus dem lateinischen „agere“ (in Bewegung bringen) und „aktus“ (Bewegung) herleiten lässt,  stellte Grosz häufig aufeinanderfolgende Bewegungsmomente des Modells dar. So erscheinen die Konturlinien in einigen Darstellungen parallel nebeneinander, als hätte der Künstler mehrere Positionen, mehrere Ablichtungen des Sujets auf ein und dem selben Blatt festgehalten. Hierin erkennt man den Einfluss des Futurismus, mit dem Grosz in frühen Jahren in Berührung kam und dessen Werke er in Berlin kennengelernt hatte. Die Konzentration auf das Wesentliche führte in einigen Darstellungen sogar dazu, Kopf und Beine nicht vollständig zu berücksichtigen, sodass der Torso die Bildfläche komplett einnimmt. Grosz distanzierte sich in diesen in Amerika entstandenen Darstellungen der femininen Nacktheit von seinen frühen erotischen, die Frau als käuflich und erniedrigtes Wesen kennzeichnenden Werke, auf Grund derer er wiederholt in Konflikt mit der Justiz geraten war, zu Geld-, aber auch Gefängnisstrafen verurteilt wurde.

Den Kritiker und Chronisten seiner Zeit, der sich in Mappenwerken und Einzeldarstellungen gegen das Bürgertum, gegen den Krieg und gegen den Kapitalismus äusserte und als solcher sowohl in seiner Heimat Deutschland, wie auch in seiner Wahlheimat Amerika, wo er in mehreren repräsentativen Umfragen zu den besten Künstlern seiner Zeit gekürt wurde, zu Ruhm kam, zeigen wir Ihnen von seiner anderen Seite: Als einfühlsamen Huldiger der weiblichen Nacktheit, vor allem der seiner geliebten Frau.

Alexandra Henze Triebold

Zwischen dem 4. März und dem 16. April werden diese Werke, oder einige von Ihnen sowie Gemälde „on Tour“ gehen und wir laden Sie herzlich dazu ein, Beispiele davon an unseren Messeständen der Art Karlsruhe, der TEFAF in Maastricht und der Art Cologne in Köln zu besichtigen.

Während dieser Zeit werden wir in unserer Galerie in Riehen Grossformate zum Thema „Wie es uns gefällt“ aus unseren Beständen zeigen.

Galerie Henze & Ketterer
Kirchstrasse 26, CH 3114 Wichtrach
Tel. +41 (0)31 781 06 01
Galerie Henze & Ketterer & Triebold
Wettsteinstrasse 4, CH 4125 Riehen
Tel. +41 (0)61 641 77 77