RIEHEN / BASEL

JÜRGEN BRODWOLF
Figuren-Wandlungen

5. September - 21. November 2015

Einladungskarte (PDF)

Minikatalog (PDF)

  • Brodwolf 1968-2013 8PL Paar auf blauem Tuch 80042

    Jürgen Brodwolf
    Zeitgeschichten-Paar auf blauem Tuch.
    Reliefbild 1968/2013.
    75 x 100 x 7 cm.
    Obj. Id. 80042

  • Brodwolf 2014-2015 8PL Roter Schirm 80047

    Jürgen Brodwolf
    Roter Schirm.
    Reliefbild 2014-2015.
    145 x 190 x 8 cm.
    Obj. Id. 80047

  • Brodwolf 2014 8PL o.T. 80037

    Jürgen Brodwolf
    o.T.
    Reliefbild 2014
    60 x 80 x 19 cm.
    Obj. Id. 80037

  • Brodwolf 2014-2015 8PL Campo di Battaglia 80040

    Jürgen Brodwolf
    Campo di Battaglia.
    Reliefbild 2014-2015.
    130 x 160 x 8 cm.
    Obj. Id. 80040

  • Brodwolf 1981-2014 8PL o.T. 80039

    Jürgen Brodwolf
    o.T.
    Reliefbild 1981/2014.
    130 x 145 x 8 cm.
    Obj. Id. 80039

  • Brodwolf-1971-8PL-Sitzende-Figur-1

    Jürgen Brodwolf
    Sitzende Figur I.
    Figurine 1971.
    Holoczek-Blume 122. 62 x 54 x 10 cm.
    Obj. Id. 66334


JÜRGEN BRODWOLF

Figuren Wandlungen

9. Mai - 29. August 2015

 

 

"Im Rückblick auf verschiedene Werkperioden, habe ich 2013 und 2014 unvollendete oder aufgegebene malerische Werke durch sparsame Farbakzente, Objekt- und Figurenmontagen vollendet, ohne den Grossteil der alten Substanz zu verändern.

So bestehen diese Werke aus zwei Arbeitsperioden, die zum Teil bis zu 50 Jahre auseinander liegen, und als „Zeitschichten“ für Vergangenes und Gegenwärtiges stehen, und in einem Werk vereinen, sodass in diesem auch meine jeweiligen künstlerischen Positionen und bildnerischen Konzepte und Techniken erkennbar sind.“

(Jürgen Brodwolf 27. Januar 2015)


Jürgen Brodwolfs Werk zeugt von Kontinuität. Die Figur sorgt für Beständigkeit in dem umfangreichen Oeuvre des Künstlers und taucht in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen immer und immer wieder auf, auch in den zuletzt vollendeten Werken, die wir direkt aus dem Atelier für unsere Ausstellung erhalten haben. Brodwolf ist seiner Entdeckung, die er 1959 machte, seitdem treu geblieben. Als Reminiszenz an kindliche Spielfiguren fing er an, die liegengebliebenen Farbtuben zu Tubenfiguren umzuformen und direkt als Rectified Readymade in seine Werke einzufügen. Die Typologie der Figur hat sich seitdem um mehrere Figurentypen erweitert: Es kamen mit der Zeit die Bleifiguren, die Pappmachéefiguren, die Papier-Figuren, die Pigment-Figuren und die Bronze-Figuren sowie natürlich die gezeichneten und aquarellierten Figuren hinzu. Alle beriefen sich aber streng auf die ursprüngliche Tubenfigur.

In „Figuren-Wandlungen“, unserer Ausstellung in der Galerie in Riehen, präsentieren wir, um die Entwicklung eindringlich aufzuzeigen, frühe Figurenkästen aus den 70er Jahren, kürzlich überarbeitete frühe Gemälde aus den 60er Jahren und neue Werke aus den vergangenen zwei Jahren. Sehr gut kann anhand dieser Werke nachvollzogen werden, wie sich der Einsatz von Farb-Akzenten gewandelt hat. Dies ist die auffallendste Veränderung im Laufe der Jahrzehnte. Wenn in den frühen Figurenkästen die Grau-Skala vorwiegt, so finden wir in jüngst entstandenen Werken auch grelle Grün-, Blau-, Rot-, ja sogar Orange-Töne. Dies meist in den beigefügten Fundobjekten. Farbige Stoffe werden um Figuren herum drapiert, dienen diesen als Unterlage, oder werden von diesen ummantelt, einige davon sind sogar mit Spray-Farben farbig gefasst. Nicht zu übersehen, der liegengelassene Regenschirm. Von einem Besucher im Hause Brodwolf vergessen, hält dieser orange-rote Schirm Einzug in ein Reliefbild mit Pappmachée- und Tubenfiguren.

Ebenfalls auffallend sind die nun so gerne umgesetzten Kombinationen von Alt und Neu, von Gestern und Heute. Wie üblich bei Künstlern bleiben die Werke im Atelier Gegenstand der künstlerischen Schöpfung, der Kreativität, Arbeitsmaterial. Sie werden nicht behutsam für die Nachwelt bewahrt, wie es ein Kunsthistoriker, ein Restaurator, ein Galerist oder ein Sammler machen würde, sondern können einer Überarbeitung kaum entgehen, denn von Künstlern wird nur das jeweils Gegenwärtige voll anerkannt. So halten ältere Werke bei Brodwolf Einzug in völlig neue Schöpfungen. Es wird kombiniert, komponiert, ergänzt und so neue Verbindungen hergestellt zwischen bereits bestehenden Leinwänden und Pappmachéefiguren, oder kleinen Kästen mit Tubenfiguren. Es werden Figuren appliziert und so das Werk umgedeutet. Datierungen werden dadurch sehr komplex, da Bestandteile aus unterschiedlichen Schaffensperioden zu einem Werk vereint werden.

„Zeitschichten“. So nennt Brodwolf einige dieser Werke und beschreibt diese als Zusammenfinden von Elementen aus unterschiedlichen Schaffensperioden. Sie liefern einen Überblick auf das Schaffen des Künstlers, auf die Wandlungen der Figur. So treten in einem und dem selben Werk Figuren aus unterschiedlichen Epochen auf und zeigen, wie alle auf die ursprüngliche Tubenfigur, auf den Prototyp von 1959 zurückgehen. Diese ist nicht als Fragment zu verstehen und auch nicht als Torso. Auch wenn Kopf und Arme fehlen, ist dies doch auf die Beschaffenheit des zu Grunde liegenden Materials zurückzuführen: Die Tube wird vollständig in die Kunstwerke übernommen, sie besitzt keine oberen Gliedmasse, sie wird als Fundstück zu einer Figur umgeformt und zu einem Kunstwerk gemacht oder wird Teil eines solchen. Auch die daraus folgende Figurenfamilie, die Bleifiguren, die Pappmachéefiguren, die Papierfiguren und die Pigmentfiguren folgen diesem Formkanon. Sie sind konsequente Ableitungen von der ursprünglichen Tuben-Form.

Der Kreativität des Künstlers sind keine Grenzen gesetzt. Immer wieder präsentiert er seine Figur in neuen Erscheinungsformen, in neuen Figuren-Wandlungen. Stringent in den frühen Figurenkästen mit den Tubenfiguren, Subtil in den kleinen weissgehaltenen Raum-Darstellungen und farbfroh in den grösseren Relief-Werken auf Leinwand. Kombiniert mit Fundgegenständen wie Knochen, Reagenzgläsern, oder einer Tasse wurden und werden Tubenfiguren zu «Figurenobjekten» umgewandelt. Verglaste Kästen wiederum dienen als Miniaturkulissen für Objekte, die gemeinsam mit Tubenfiguren zu Szenen komponiert wurden. Bei diesen «Figurenkästen» sind oftmals die enthaltenen Gegenstände, aber auch die Kästen selbst Fundgegenstände, die aus dem im Alltag ihnen zugewiesenen Kontext herausgenommen und in die Welt der Figuren aufgenommen werden. Die von Brodwolf verwendeten Gegenstände stammen zum Teil aus dem intimsten Familienfundus: Material, das seine Herkunft preisgibt und somit die enge Verbindung zwischen Leben und Werk veranschaulicht. Fensterrahmen, Metallgehäuse oder Holzkästen dienen als Figurenraum-Abgrenzungen, innerhalb derer Figuren und Gegenstände ihren Platz einnehmen. Titel wie Kieferknochen, Reagenzgläser, Die Walze, Prüfstand, Bahnhof oder Die Schüssel beziehen sich auf den mitverarbeiteten Gegenstand, auf die dargestellte Situation oder Tätigkeit. Den verschiedenen Bestandteilen mangelt es oft an proportionalem Zusammenhang, wie bei den kleinen Tubenfiguren, die nie die für sie zu grosse Tasse nutzen könnten.

Es findet demnach eine Umdeutung der eingefügten Fundgegenstände statt: Gebrauchsgegenständen wird ihre Funktion genommen und eine neue Bedeutung im Kontext zugewiesen. Die oft beobachtete Diskrepanz zwischen den Ausmaßen der Tube und den realitätsgetreuen Proportionen der ihr gegenübergestellten Gegenstände ist kein Widerspruch. Die Tube selbst ist ein Fundgegenstand und behält als solcher in diesen Szenen ihre realen Maße. Erst wenn sie als anthropomorphe Darstellung interpretiert wird, könnte von einem Proportionskonflikt die Rede sein. Auch in den neuen Relief-Bildern ist dies zu beobachten: Da sitzt beispielsweise eine Tubenfigur auf einem für sie viel zu grossen Pinsel, oder wird umgeben von für sie nicht verzehrbaren Bohnenschoten. Auch die Kombination von grösseren Pappmachéefiguren und Tubenfiguren in diesen Werken ist so zu deuten: Es ist nicht die Darstellung eines fragmentarischen Menschen, sondern eben der von Brodwolf entdeckten und weiterentwickelten völlig selbstständigen, künstlerischen Figur, ein autonomer Topos.

Wir laden Sie und Ihre Freunde herzlichst ein, sich diese älteren Figurenkästen und die neuen Werke während der Vorbesichtigung anlässlich des Season-Openings der Galerien in Basel am Freitag, dem 4. September, zwischen 17.00 und 21.00 Uhr anzuschauen, zur Vernissage am Samstag, dem 5. September, zwischen 12.00 und 19.00 Uhr oder zu einem späteren Besuch der Ausstellung.

Verpassen Sie nicht die Gelegenheit, den Künstler in unseren Ausstellungsräumen in Riehen/Basel zwischen seinen alten und neuen Werken zu treffen. Während der Vernissage am Samstag, dem 5. September, wird er anwesend sein.

Verbinden Sie doch einen Besuch in unserer Galerie mit einem Gang durch die wunderbaren Ausstellungshallen der Fondation Beyeler, die sich nur wenige hundert Meter von uns entfernt in Riehen befinden. Ab dem 4. Oktober werden dort die Ausstellungen „Auf der Suche nach 0,10 – Die letzte futuristische Ausstellung der Malerei“ und „Black Sun“ mit Werken von Kasimir Malewitsch  und Wladimir Tatlin gezeigt.

Wir würden uns sehr freuen, Sie in unserer Galerie begrüssen zu dürfen.

Alexandra Henze Triebold


Für weitere Informationen über Programm und Aktivitäten der Galerie, laden wir Sie herzlich auf unsere Webseite ein:
www.henze-ketterer-triebold.ch

 

 

Galerie Henze & Ketterer
Kirchstrasse 26, CH 3114 Wichtrach
Tel. +41 (0)31 781 06 01
Galerie Henze & Ketterer & Triebold
Wettsteinstrasse 4, CH 4125 Riehen
Tel. +41 (0)61 641 77 77