RIEHEN / BASEL

XXL 

Grossformatige Werke der Gegenwart 

7. Februar bis 20. Mai 2020

Einladungskarte (PDF)

Onlinekatalog (PDF)

  • Baselitz Indianergrab Linolschnitt 02

    Georg Baselitz
    Indianergrab.
    Linolschnitt 2002.
    228 x 170 cm.
    Obj. Id: 80307

     

     

  • Cannella 1G 2007 l Oro 80140 04

    Pizzi Cannella
    L'Oro.
    Öl auf Leinwand 2007.
    183 x 307 cm. 
    Obj. Id: 80140

     

     

     

  • von Berner Hirsch

    Darya von Berner
    Ohne Titel (10.C.R.).
    Acryl auf Leinen 1996.
    300 x 200 cm.
    Obj. Id: 62577 

  • Gallo 1996 1G L Attore dell Acqua e dell Olio

    Guiseppe Gallo
    L'attore dell'acqua e dell'olio.
    Öl auf Leinwand 1996.
    176 x 118 cm.
    Obj. Id: 80497

     

     

  • Spoerri 1985 8PL I Giocolieri 01

    Daniel Spoerri
    I Giocolieri - Die Spieler.
    Gruppe von sieben Bronzen und einer Kugel 1985.
    Höhe Spieler 100 - 160 cm. Raumbedarf ca. 7 x 7 m.
    Obj.Id. 74198

     

     

  • Zimmer 1982 1G Nebel-Sonne 01

    Bernd Zimmer
    Nebel-Sonne (Insel).
    Öl auf Nessel 1982.
    130 x 160 cm.
    Obj. Id: 67551

     

     

     

 

XXL
Grossformatige Werke der Gegenwart
 


7. Februar bis 20. Mai 2020

 

Grossformate spielten von jeher eine bedeutende Rolle in der Kunstgeschichte. Sei es im Alten Ägypten die Pyramiden, Götterstatuen oder Wandbilder, im alten Rom die Standbilder der Kaiser und Feldherren oder im Zeitalter der Gotik die „in den Himmel hinein ragenden Kathedralen“. Dem Grossformat kam über viele Jahrhunderte die Funktion zu Macht, Ruhm und Reichtum widerzuspiegeln, oder den gesellschaftlichen Stand einer Person zu zeigen. Kirche und Papst oder auch der wohlhabende, bürgerliche Auftraggeber schmückten ihre Paläste mit opulenten Fresken, Statuen und Portraits, die gesehen werden wollten.

Die Aufmerksamkeit ist dem Grossformat auch heute noch gewiss. Dennoch hat sich die Funktion des Grossformates in der Gegenwart verlagert. Künstler wählen es heute vermehrt um sich künstlerisch frei auszuleben. Sie sind nicht mehr vorrangig an einen Auftrag(-geber) oder ein Motiv gebunden, genauso wenig wie an einen bestimmten Bildträger. Der ganz eigene Stil eines jeden Künstlers kommt zum Tragen, wie auch in unserer Ausstellung zu entdecken sein wird.

Bei grossformatigen Werken der Gegenwart ist Georg Baselitz (*1938) nicht wegzudenken. Mit seinem Linolschnitt „Indianergrab“ von 2002 ist er mit dem einzigen grafischen Werk in der Ausstellung vertreten. Bereits 1977 schuf er die ersten grossformatigen Linolschnitte, womit er die Technik für diese Zeit neu entdeckte und sie noch bis heute in seinem Werk verwendet.

Darío Basso (*1966) verarbeitet die Ideen seiner Skizzen auf bis zu fünf Meter hohen Leinwänden. Oft entstehen diese in der freien Natur, wobei die Umgebung, das Wetter und direkte oder indirekte Naturgewalten in das Werk mit einbezogen werden bzw. dieses mitgestalten, so wie in dem ausgestellten Werk „Accatone“ von 2005.

Während in der Ausstellung in den Gemälden von Giuseppe Gallo (*1954), Bernard Schultze (1915-2005), Bernd Zimmer (*1948), Karl Horst Hödicke (*1938), Salomé (*1954) oder Fred Thieler (1916-1999) der Bildträger vollständig abstrakt, zum Teil expressiv mit Farbe ausgefüllt ist, lädt das Werk von Robert Klümpen (*1973) ein, durch seine übergrosse Darstellung eines „Tunnels“ sich dessen Illusion hinzugeben. Das Gemälde und der physische Raum verschmelzen, nicht zuletzt aufgrund der Bildgrösse, die etwa einer Wandgrösse entspricht. Ebenso bei der übermalten Fotografie des griechischen Objekt- und Installationskünstlers Nakis Panayotidis (*1947), der auf über zwei Metern ein Gewässer mit Ufer und einem Horizont zeigt und dem Betrachter somit ebenfalls eine Illusion liefert, die lediglich durch die nachträgliche Überarbeitung der Fotografie durchbrochen wird.

Einen Kontrast zu den farbig expressiven Werken bilden monochrome Arbeiten von Nunzio (*1954), Darya von Berner (*1960), die eine fotorealistische Darstellung eines Hirsches in unterschiedlichen Rottönen zeigt sowie von Pizzi Cannella (*1966), dessen monochrom dunkle Farbfläche durch goldfarbene Partien durchbrochen wird.

Auf Giovanni Manfredinis (*1963) Werk erblickt man lediglich zwei Farben: einen weissen nackten männlichen Körper auf schwarzem Grund. Er arbeitet mit einer besonderen Mischtechnik auf Holz, mit welcher er seinen eigenen Körper auf ein überlebensgrosses Tondo überträgt.

In der grossformatigen Skulptur greift Bernard Schultze unterschiedliche Materialien auf, wie Draht, Textilien und Plastikmasse, die er farbig einfasst, während Karl Hartung (1908-1967) eine organisch anmutende Form aus Bronze schafft. Das Künstler-Duo Kubach-Wilmsen hat stattdessen das Buch zu ihrem Thema in der Skulptur gemacht. Hierfür bearbeiteten sie 20 Steine aus allen Kontinenten zu einem 1,80m grossen Buchturm.

Bei der Skulpturengruppe „I Giocolieri – Die Spieler“ von Daniel Spoerri sowie der filigranen hohen Skulptur von Giuseppe Maraniello mit dem Titel „Ri-tratto“ begegnet man zwei auf spielerisch humorvolle Weise ausgeführten grossformatigen Werken.

Jürgen Brodwolf (*1932), bekannt für seine Tubenfigur, die seit 1959 sein künstlerisches Schaffen beherrscht, entwickelte ausgehend von dieser seit den 70er Jahren Bleifiguren und Leinwandfiguren, die nicht mehr an die vorgegebene Tubengrösse gebunden waren und es ihm somit ermöglichten, in unterschiedlichen Massstäben – auch grossformatig – zu arbeiten. In der Ausstellung werden zwei menschengrosse Figurenkästen gezeigt, in dem jeweils eine aus Leinen und anderen Materialien geschaffene Figur eingebettet ist und dem Betrachter aufgrund ihrer Grösse als ein Gegenüber begegnet.

Daniel Spoerri (*1930) vereint die Gattung des Gemäldes mit der Gattung der Skulptur indem er eine grossformatige Assemblage aus gefundenen Objekten (Objets Trouvés) arrangiert. Die dreidimensionalen Objekte sind auf einem zweidimensionalen Träger montiert, welcher an der Wand angebracht ist. Der Betrachter wird zunächst nicht nur durch die Vereinigung zweier Gattungen irritiert, sondern auch mit Gebrauchsgegenständen wie Abwegigem, die zusammengesetzt eine übergrosse Wandinstallation bilden.

Doch nicht nur die Materialien variieren dabei in den einzelnen Werken, sondern auch die Proportionen des Grossformates.

So schafft Paolo Serra ein überlanges, horizontales Format, welches ebenfalls ausgehend vom Titel „Orizzonte Cinese“ mit dem Horizont assoziiert werden kann. Kontrastierend dazu stehen die farbenfrohen Gemälde des Deutsch-tschechischen Künstlers Jiri Georg Dokoupil (*1954), deren Höhe nahezu Vier Mal so lang ist wie die Breite.

Wie unterschiedlich das Grossformat innerhalb eines Œuvres bearbeitet wird, zeigen zwei Werke von Alfonso Hüppi (*1935). In der monochromen Arbeit „Bogenfeld 1“ schafft Hüppi ein Holzrelief, während er in „Tafel 6“ mit Eitempera auf einer Tischlerplatte ein expressiv farbiges Werk kreiert.

Das Sujet des „Grossformates“ zeigt in der Ausstellung, wie vielfältig dieses eingesetzt werden kann, wie die Künstler damit spielen und wie der Betrachter dadurch beeinflusst werden kann. Eine Figur, die der Grösse des Menschen entspricht, oder ein illusionistisch geschaffener Raum lösen womöglich ein Gefühl der Vertrautheit aus, während eine überlebensgrosse Darstellung Ehrfurcht erzeugen kann. Sie als Betrachter sind herzlich eingeladen, dies für sich selbst in der Vielfalt der Grossformate in unserer Ausstellung herauszufinden und zu entdecken.

 

Katharina Sagel und Elisabeth Schröder

 

Galerie Henze & Ketterer
Kirchstrasse 26, CH 3114 Wichtrach
Tel. +41 (0)31 781 06 01
Galerie Henze & Ketterer & Triebold
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