RIEHEN / BASEL

WIR SAGEN DANKE!

Künstler, Freunde, Sammler,
Kollegen,
Museen, Familie und Mitarbeiter

29. Mai bis 25. September 2021

Einladungskarte (PDF)

 

 

  • Manfredini 2014 8PL Stabat Mater 04

    Giovanni Manfredini
    Stabat Mater
    Silber vergoldet, 2014.
    Durchmesser 33 cm.
    Obj. Id: 79808

     

     

  • Atani II

    Günther Gumpert
    Atani II
    Öl auf Leinwand, 1968.
    127 x 184 cm.
    Obj. Id: 66034

     

     

     

  • Kirchner im Stadion 04

    Ernst Ludwig Kirchner
    Drei nackte junge Männer
    Öl auf Leinwand, 1932/36.
    65 x 50 cm.
    Obj. Id: 75337

  • Kirchner 1913 2A Pantomime Reimann I

    Ernst Ludwig Kirchner
    Pantomime Reimann I
    Aquarell, schwarze Kreide und Bleistift um, 1913.
    46,1 x 58,8 cm.
    Obj. Id: 80498

     

     

  • Nolde 1917 5H SM129 IV Ziehende Krieger 67894 02

    Emil Nolde
    Ziehende Krieder
    Holzschnitt, 1917
    30,3 x 24 auf 44 x 34 cm.
    Obj. Id. 67596

     

     

  • Spoerri Assemblage 1992 8PL Sevilla Serie 32 Nachtisch 04

    Daniel Spoerri
    Sevilla-Serie Nr. 32. Sevilla, Schweizer Pavillon, 21. Februar 1992.
    Assemblage 1992.
    62,5 x 80 x 40 cm.
    Obj. Id. 74189

     

     

     

WIR SAGEN DANKE!
Künstler, Freunde, Sammler,
Museen, Kollegen, Familie und Mitarbeiter

29. Mai bis 25. September 2021

Vor kurzem erst wurde es uns bewusst, dass dieses Jahr bereits 20 Jahre vergangen sind, seit der Eröffnung unserer Galerie, hier im Zentrum von Riehen. Durch die Coronawirren der nunmehr bereits fast anderthalb Jahre war uns dieses Jubiläum vollkommen in Vergessenheit geraten.

Es waren 2001 aufregende Tage für uns, hatten wir doch die Galerieräume erst kurz zuvor und ganz zufällig durch ein Zeitungsinserat gefunden, besichtigt und in einem schnellen Entschluss angemietet. Die in jeder Hinsicht vorteilhafte Lage Riehens, die Nähe zu den Grenzen zu Deutschland und Frankreich, zur Autobahn, Bahn und zum Basler Flughafen und in erster Linie die wenigen Schritte zur Fondation Beyeler, lockten uns. Die Möglichkeit für unsere Besucher einen Museumsbesuch mit einem Abstecher in unsere Räume zu verbinden, erschien uns sehr vielversprechend. Auch die Möglichkeit, manche der Ausstellungen in der Fondation durch eigene thematische Ausstellungen in der Galerie zu begleiten, schien uns spannend und sinnvoll. Unsere erste Ausstellung war Nunzio (di Stefano) gewidmet, einem der Protagonisten der „Nuova Scuola Romana“. Der Erfolg dieser Ausstellung sollte uns in unserem Beschluss, mit der Galerie nach Riehen zu ziehen, bestätigen, eine Entscheidung, die wir seither nie bereut haben. Dass uns Ernst Beyeler sowohl in dieser ersten, wie auch in zahlreichen folgenden Ausstellungen, wenn er zu Fuss, schnellen Schrittes auf dem Weg in „seine“ Fondation war, besuchen und uns wohlwollend beraten sollte, wussten wir damals noch nicht, es war für uns aber ein wunderbares Zeichen des Willkommens in Riehen und ehrte uns ungemein. Viele weitere, unvergesslich spannende und bereichernde Begegnungen mit anderen, heute Legendenstatus innehabenden Persönlichkeiten sollten folgen.

Marc Triebold hatte 2001 bereits einige Erfahrung im Galeriebetrieb und im Kunsthandel, wirkte er doch ab 1986 in der Galerie Triebold seiner Eltern, Delia und Othmar Triebold-Donati mit, erlernte dort frei des Mottos „working by doing“ alles Grundlegende über die Aktivitäten einer Galerie. Ebenso hatte Alexandra Henze Triebold in der Galerie ihrer Eltern, Ingeborg Henze-Ketterer und Dr. Wolfgang Henze, bereits während des Studiums der Kunstgeschichte mitgearbeitet. Wir beide wagten nun den Schritt in etwas Eigenes und Neues hier in der kleinen Stadt Riehen vor den Toren Basels, die durch die Fondation Beyeler zu Weltruhm unter Kunstkennern und Kunstliebhabern kam.

Für unser Programm erschien uns eine Zusammenführung der Künstler, die unsere Eltern bereits vertraten, logisch und wünschenswert. Es waren dies die Positionen des Expressionismus, insbesondere der „Brücke“, mit einem Schwerpunkt auf Ernst Ludwig Kirchners Werk. Dieses zentrale Arbeitsgebiet unseres Programms hatte Alexandra Henze Triebolds Grossvater, Roman Norbert Ketterer vorgegeben, durch seine sehr erfolgreichen kunsthändlerischen Aktivitäten ab 1946, u.a. als Nachlassverwalter Ernst Ludwig Kirchners. Die Abstraktion nach dem Zweiten Weltkrieg, die Nouvelle Figuration mit einigen glücklicherweise auch heute noch lebenden Meistern, des Weiteren die Zusammenarbeit mit einer Reihe von international bedeutenden zeitgenössischen Künstlern, die wir grossteils auch persönlich gut kennen und mit denen wir noch heute in engem, freundschaftlichen Kontakt stehen, machen einen weiteren wichtigen Teil unserer Aktivitäten aus, den wir nicht missen möchten. In allen Belangen durften wir immer auf die volle Unterstützung unserer Eltern und Grosseltern zählen, für deren Vertrauen und Unterstützung wir heute noch zu tiefem Dank verpflichtet sind.

Zu Beginn profitierten wir in erster Linie von bereits bestehenden Sammlerkontakten unserer Eltern und Grosseltern, bauten uns aber bald auch neue Sammlerbeziehungen auf, nicht zuletzt durch die Beteiligung an internationalen Messen, die oftmals in enge Freundschaften mündeten. Die Lage in Riehen enttäuschte uns nie, sogar zufällige „Laufkundschaft“, wunderbare Menschen, denen wir ohne die örtlichen Begebenheiten nie begegnet wären, fanden hier den Weg zu uns. Heute finden zwar viele der ersten Kontakte übers „Netz“ statt, der Moment der Entscheidung findet aber zumeist immer noch physisch vor dem Werk statt, insbesondere, wenn es sich um wichtige Werke handelt. Das ist jeweils ein Moment, den zu erleben nie etwas an seiner Faszination einbüssen wird für uns: Den Menschen vor „sein Bild“ zu stellen, seine unmittelbare Wirkung auf den Betrachter zu beobachten, ist ein unabdingbarer Baustein des Erfolges in unserem unvergleichlich erfüllenden Beruf.

Vieles wäre nie möglich geworden ohne die oft selbstlose und unbürokratische Unterstützung und die intensive Zusammenarbeit durch eine Reihe von wichtigen Kollegen, Künstlernachlässen und Museen, die sich gemeinsam mit uns für die Förderung der von uns vertretenen Künstler einsetzen. Es erfüllt uns heute mit grosser Genugtuung, dass wir als bereits dritte bzw. zweite Händlergeneration immer öfters zum direkten Ansprechpartner der aktuell verantwortlichen Museumsleiterinnen und –leiter werden durften. Insbesondere Alexandra Henze Triebold widmet zunehmend mehr ihrer Zeit der Organisation und Begleitung von Museumsausstellung, insbesondere zu Ernst Ludwig Kirchner und seinem Werk.

Diese wissenschaftliche Arbeit Alexandra Henze Triebolds für das Werk der von uns vertretenen Künstler wird immer mit einem Höchstmass an Respekt und Wertschätzung für deren Schaffen geleistet, ganz in der Tradition ihres Grossvater väterlicherseits, Dr. Anton Henze, der als bedeutender Kunsthistoriker zahlreiche Texte als Journalist und Autor zu Kunst und Oeuvre verschiedenster Kunstschaffender verfasst hat. Die Liebe zur dieser schriftlichen Auseinandersetzung mit der Kunst verdankt sie ihm und ihrem Vater, die ihr als Vorbilder dienen.

Eine kleine Reihe von Mitarbeitern hat uns tatkräftig in diesen letzten zwei Jahrzehnten in der immer spannenden und fordernden Galeriearbeit unterstützt. Sie waren und sind uns grosse Hilfen bei der Vorbereitung und Durchführung der Organisation von Ausstellungen, Teilnahmen an Kunstmessen, Verkäufen, beim Verfassen von Texten, Recherchen zu „Gott und der Welt“, der Künstlerbetreuung und so vielem mehr. Tag für Tag setzen sie sich gut gelaunt für die Aktivitäten der Galerie ein, geben ihr Bestes, um unsere Besucher freundlichst zu begrüssen und kompetent durch die Ausstellungen zu führen. Insbesondere das jetzige Team mit Frau Katharina Sagel M.A. und Frau Susanne Kirchner M.A. kommt der von uns angestrebten Vollkommenheit nahe und wir sind den beiden Damen unendlich dankbar für die Unterstützung und die Solidarität, die es uns erst ermöglichen, dem unerbittlichen Druck unserer Zeit gerecht zu werden.

All diesen genannten, ganz besonderen Menschen möchten wir mit dem ebenso besonderen Werk von Giovanni Manfredini unseren Dank sagen, das auf der Einladungskarte abgebildet ist. Die „Stabat Mater Dolorosa“, eine Huldigung des Künstlers an seine verstorbene Mutter, ist als Sinnbild des selbstlosen Dankes konzipiert. Es handelt sich um eine Dornenkrone in vergoldetem Sterlingsilber, geschaffen aus den Rosenzweigen des Gartens der Mutter. Das Werk wurde - begleitet von der eigens für dieses Werk komponierten Musik des grossen Meisters Ennio Morricone und des vorgetragenen Gebetes „Stabat Mater“ - in Rom in der Basilika von Sant’Agostino in Campo Marzio ausgestellt. Demütig, aber auch freudig denken wir an all die lieben Menschen, die uns in diesen beiden Jahrzehnten unterstützt haben, deren Freundschaft wir geniessen durften, deren Hilfe wir erhalten haben und die uns ihre Treue bewiesen haben.

Uns alle verbindet die bedingungslose Liebe zum Leben und zur Kunst und zum Werk der uns wichtigen Künstler, die eine Seelenverwandtschaft erzeugt und uns zusammenschweisst. Diese Liebe allein treibt täglich uns an, erfüllt uns und schenkt uns Momente grössten Glücks.

Wir danken aus vollem Herzen für die Begleitung auf unserem Weg durch diese ersten 20 Jahre in Riehen. Bewahren Sie sich die Freude an den schönen Dingen und tragen Sie gut Sorge zu sich und Ihren Lieben.

Ihre
Dr. Alexandra Henze Triebold und Marc Triebold


Zwei Jahrzehnte Ausstellungsgeschichte von der klassischen Moderne bis in die Gegenwart: Gemeinsam mit Künstlern, Freunden, Sammlern, Museen, Kollegen, Familie und Mitarbeitern haben wir über 100 Ausstellungen in den Galerieräumen der Wettsteinstrasse geniessen dürfen, ein Zusammenkommen durch die Liebe zur Kunst, das uns ausgesprochen freut. Um zwei Jahrzehnte voller Ausstellungen und spannenden Austausch zu zelebrieren, möchten wir Ihnen ausgewählte Werke aus Ausstellungen der frühen 2000er Jahre bis zu unserer bislang letzten im Jahr 2021 präsentieren. Sie sind herzlich eingeladen, mit uns diesen Rückblick durch die Zeit zu begehen und dabei den künstlerischen Positionen aus Expressionismus, Abstraktion, Neuer Figuration und Zeitgenössischer Kunst nachzugehen, die wir als Galerie damals wie heute gerne vertreten und zeigen.

Bereits in dritter Generation liegt ein Schwerpunkt unserer Arbeit insbesondere auf dem Aufbau und der Vervollständigung von musealen und privaten Sammlungen des Expressionismus, die wir als Verwalter des Nachlasses und Archivs von Ernst Ludwig Kirchner mit Überzeugung angehen. Mit der Kunstrichtung des „Expressionismus“ gelang es deutschen Künstlern zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine bedeutsame Position in der europäischen Kunst einzunehmen, gar ein neues Gegengewicht zu den französischen Impressionisten zu bilden und weltweite Anerkennung für ihr Schaffen zu erhalten.

Der Aufschwung expressiver Kunst in Deutschland ist unausweichlich mit Ernst Ludwig Kirchner, einem ihrer wichtigsten Vertreter, verbunden. Bereits im Sommer 1905 gründete Kirchner gemeinsam mit seinen Kommilitonen Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff die Künstlervereinigung „Brücke“. Fernab von gesellschaftlichen und akademischen Doktrinen entwickelten sie eine Bildsprache, deren revolutionärer Ansatz ein freies und die eigene Empfindsamkeit betonendes Schaffen empfahl: Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht das wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt.[1]

Eine markante Formgebung, ein kontrastreiches Kolorit, die spontane Pinselführung sowie abstrahierende Vereinfachung des Gegenständlichen geben das subjektive Empfinden des Künstlers wieder. In Akt-, Strassen- und Grossstadtszenarien fanden sich Themen und Motive, als „Atelier“ diente nur zu oft die Natur oder die unzähligen Bühnen des Varietés, Cabarets und Zirkus in Städten wie Dresden und Berlin. Insbesondere die menschliche Bewegung, in Tanz und Akrobatik, war ein beliebtes Motiv, bot sie doch eine Momenthaftigkeit, die sich nur zu gut in prägnanten, spontanen Pinselstrichen frei der expressionistischen Weltanschauung festhalten liess. Auch nach Auflösung der „Brücke“ und Übersiedlung Kirchners ins schweizerische Davos zieht sich die artistische Perfektion sowie die unbefangene Bewegung wie ein roter Faden durch sein Werk, beispielhaft dargestellt in einem unserer Hauptwerke der Ausstellung, „Artisten an Ringen (und Trapez)“ von 1923/29. Mit der Absicht einer „Neuschaffung des inneren Bildes mit abstrakten Formen“[2] zeigt sich hier der sogenannte „Neue Stil“ im Spätwerk Kirchners. Die Kompositionen jener Zeit strahlen mit ihrer dynamischen Farbpalette und ihren spielerischen Sujets eine überwältigende Lebensfreude aus, wie auch in „Drei nackte junge Männer“ von 1932/36, das als Auszug unserer letzten Ausstellung 2021 nun Teil unserer Jubiläumsschau ist.

Mit Werken wie Erich Heckels Gemälde „Alsterlandschaft (Die Alster bei der Mellingburger Schleuse)“ von 1913, Max Pechsteins Ölgemälde „Walliser Hütten (bei Saas Almagell)“ von 1923, oder Christian Rohlfs Tempera-auf-Leinwand „Sängerin I (Vier Menschen)“, um 1921, werden weitere Positionen des Expressionismus präsentiert, die beispielhaft für die Vielzahl an Ausstellungen und dort gezeigten Werke der letzten 20 Jahren der Galerie stehen.

Bereits im Expressionismus zeichnen sich starke Tendenzen gegen naturalistische Darstellungen ab. So stellt die komplette Lossagung von der Gegenständlichkeit in der Kunst der 40er Jahre einen Bruch mit den Konventionen der Zeit dar, es war die neuentdeckte Freiheit nach der Unterdrückung durch die Nationalsozialisten und dem verstörenden Krieg. Hieraus entsteht die sognannte „Art Informel“, der Begriff geht auf den Kunsthistoriker Michel Tapié zurück, der diesen 1951 einführte, um verschiedene abstrakte Kunststile der Nachkriegszeit zusammenzufassen.[3] Der Terminus beschreibt dabei keinen einheitlichen Kunststil, sondern vielmehr eine künstlerische Haltung und das Sichtbarmachen des künstlerischen Prozesses. „Informelle Kunst“  wird heute als eine der wichtigsten Innovationen der Nachkriegskunst angesehen. Deren Werke bilden eine Schnittstelle zwischen Moderne und Postmoderne, und haben noch bis in die Gegenwart einen grossen Einfluss.

In der Ausstellung werden Werke des Informel vertreten durch Francis Bott, Fred Thieler und Bernard Schultze. Letzterer zählt zu den zentralen Protagonisten gestisch-abstrakter Kunst der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Schultzes Werke wecken unterschiedlichste Assoziationen beim Betrachter und enthalten meist Anspielungen und Zitate aus der Natur, erinnern an Wurzeln, Wald und andere Gewächse. In den 1960er Jahren entstanden die sogenannten „Migofs“, Kunstwesen, mit denen er die Abstraktion ins Räumliche erweiterte und die aus seinen Leinwänden und Papierarbeiten bis hin zu eigenständigen, raumfüllenden Skulpturen wuchsen. Die Arbeitsweise des Künstlers kann stets beschrieben werden als konzeptionsloser, freier Lauf seiner Hand mit teils pastosem, teils lasierendem Farbauftrag.

Als Abkehr vom abstrakten Ansatz des Informel entstand die „Neue Figuration“, die figürliche Malerei nach dem Zweiten Weltkrieg beschreibt und vom gleichnamigen Buchtitel des Malers und Kritikers Hans Platschek abgeleitet ist.[4] Der Malstil knüpfte hier an den Vorkriegstendenzen an und mass der figürlichen Darstellung wieder mehr Wert zu.

Jürgen Brodwolf klammerte sich 1959 im wahrsten Sinne des Wortes an den einzigen konkreten Gegenstand in seinem „abstrakten“ Atelier, nämlich an eine Farbtube aus Blei, verformte sie spielerisch. Sie wurde zu einer menschenähnlichen Figur. Diese Tubenfigur wurde ihm zum Thema, das er seitdem in allen Techniken, Dimensionen und Bedeutungen unendlich variiert: Figur pur. So nutzt er die Tubenfigur bis dato in seinem Werk, wie etwa in „Figurengruppe vor Gotthardwelt“ von 2019.

Ein Vertreter der zeitgenössischen Position und wichtiger Künstler der Galerie ist Giovanni Manfredini, dessen „Stabat Mater Dolorosa“ die Einladungskarte ziert. Das Werk des 1963 geborenen italienischen Künstlers zeichnet sich durch seine besondere Technik aus, die er selbst entwickelt hat. Manfredini setzt Feuer ein und schwärzt damit Oberflächen, die er zuvor mit einer Mischung aus Muschelmehl und Harz bedeckt. Auf dem Bildträger drückt er dann u. a. Teile seines Körpers ab. So entstehen helle, das Licht reflektierende Stellen, die einen starken Kontrast zu dem russigen Bildträger bilden und ein faszinierendes Chiaroscuro schaffen.

Auch der drei Jahre jüngere spanische Künstler Darío Basso hat eine eigene Bildersprache und vor allem Technik für sich entdeckt, während er sich in seinem Werk hauptsächlich mit der Natur auseinandersetzt. Der Autodidakt bedient sich völlig unkonventioneller Mittel, malt, giesst seine Bilder oft im Freien in der Natur waagerecht auf dem Boden, bezieht die Umgebung und auch das Wetter sowie direkte oder indirekte Naturgewalten oder auch den genius loci in Mythos oder Geschichte mit ein. Auf viele Werke hat es geregnet oder gehagelt, manche tauchte er in Flüsse.

Begeben Sie sich in der Präsentation anlässlich des Jubiläums der Galerie nicht nur auf eine Zeitreise durch die Ausstellungen der letzten 20 Jahren der Galeriegeschichte, sondern auch auf eine Reise durch das 20. und 21. Jahrhundert der Kunstgeschichte und den vielen spannenden Kunstrichtungen und Haltungen, die diese hervorgebracht hat.

Susanne Kirchner und Katharina Sagel


[1] Ernst Ludwig Kirchner, „Programm der Brücke“, Holzschnitt in Schwarz auf Vergépapier, mittig gefalzt, Monogrammiert im Druckstock des Texts oben links: ELK, 1906.

[2]
Ausst.-Kat. „’Der Neue Stil’. Ernst Ludwig Kirchners Spätwerk“, Lyonel-Feininger-Galerie, Kirchner Museum, hrsg. v. Björn Egging, Karin Schick, Quedlinburg/Davos 2008/2009, S. 6.

[3]
Vgl. Michel Tapié, „Un art autre: où il s'agit de nouveaux dévidages du réel“, Paris 1952.

[4]
Vgl. Hans Platschek, „Neue Figurationen: Aus der Werkstatt der heutigen Malerei“, München 1959.

Galerie Henze & Ketterer
Kirchstrasse 26, CH 3114 Wichtrach
Tel. +41 (0)31 781 06 01
modernart (at) henze-ketterer.com
Galerie Henze & Ketterer & Triebold
Wettsteinstrasse 4, CH 4125 Riehen
Tel. +41 (0)61 641 77 77
ghkt (at) artgalleries.ch