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RIEHEN / BASEL

Georg Baselitz.
Hokusai, Remixe, ein Indianergrab und „Bald ist diese Zeit vorbei“?
Graphiken, Aquarelle, Zeichnungen und ein Gemälde

19. Januar - 26. April 2018

  • Baselitz 1984 2A Ohne Titel 6X84 75146 01

     Georg Baselitz
    Ohne Titel (Hände). 6.X.84
    .
    Gouache 1984.
    Auf Papier. 65,5 x 47,7 cm. Unten rechts in Bleistift signiert (monogrammiert) und datiert.

    Obj.Id: 75146 

     

     

  • Baselitz 1986 4Z Ohne Titel 12IX86 01

    Georg Baselitz
    Ohne Titel. 12.IX.86
    .
    Kohle
    1986.
    Auf Papier. 61,3 x 86,1 cm. Unten in der Mitte in Bleistift signiert (monogrammiert) und datiert.

    Obj.Id: 75150

     

     

     

  • Baselitz 1990 4Z Ohne Titel 75155 01

    Georg Baselitz
    Ohne Titel.
    Auf Fabriano-Papier 100 x 70 cm. Unten links in Bleistift signiert. Unten rechts in Bleistift datiert.
    Tusche 1990.
    Obj.Id: 75155

  • Baselitz 2002 Indianergrab 5H 80307 01

    Georg Baselitz
    Indianergrab
    .
    Auf Papier. 201 x150 cm auf 228 x 170 cm. Auflage 6. Exemplar 3/6. Unten links in Bleistift nummeriert. Unten rechts in Bleistift signiert und datiert.
    Linolschnitt
    2002.
    Obj.Id: 80307

     

     

  • Baselitz 2002 La Nuit mit Marie 5H 80311

    Georg Baselitz
    La nuit mit Marie.  
    Linolschnitt 2002. Auf Papier. 202 x 150 cm auf 228 x 170 cm. Auflage 6.. Exemplar 2/6. Unten links in Blesitift nummeriert. Unten rechts in Bleistift signiert und datiert.
    Obj.Id: 80311   

  • Baselitz 2007 2A Ohne Titel ohne Titel  23. XI 2007 76782 01

    Georg Baselitz
    Ohne Titel, 23. XI 2007.
    Tuschfeder und Aquarell 2007.
    Signiert. 66 x 51 cm. Oben in der Mitte in Tusche signiert und datiert.
    Obj.Id: 76782 

     

     

     

     

  • Baselitz 2008 7L  65-Remix 76794 01

    Georg Baselitz
    '65 (Remix)
    .
    Farbholzschnitt 2008.
    Auf verschiedenfarbig grundiertem Japanpapier. Gedruckt im Atelier Till Varclas, Hamburg, Exemplar Nr. 4/12. 89,9 x 49,2 cm auf 124 x 70 cm. Unten links in Bleistift nummeriert. Unten rechts in Bleistift signiert und datiert.

    Obj.Id: 76794 

  • Baselitz 2017 Gartenbank 6R 80298 02

    Georg Baselitz
    Gartenbank.
    Strichätzung und Aquatinta 2017.
    Auf Papier. 100 x 66,5 cm auf 121 x 80,5 cm. Auflage 12. Exemplar 5/12. Unten links in Bleistift nummeriert. Unten rechts in Bleistift signiert und datiert.

    Obj.Id: 80298

  • Baselitz 2015 Besuch von Hokusai II 6R 80299

    Georg Baselitz
    Besuch von Hokusai II
    .
    Strichätzung und Aquatinta
    2015.
    Auf Papier. Eins von 66,3 x 49,5 cm und eins von 66,5 x 49,5 cm auf 85,5 x 118,5 cm. Auflage 10. Exemplar 9/10. Unten rechts in Bleistift nummeriert, signiert und datiert.

    Obj.Id: 80299
     

Georg Baselitz

Hokusai, Remixe, ein Indianergrab und „Bald ist diese Zeit vorbei“?

Graphiken, Aquarelle, Zeichnungen und ein Gemälde

19. Januar bis 26. April 2018

 

Georg Baselitz, einer der international bekanntesten und bedeutendsten Künstler der Gegenwart, wurde als Hans-Georg Bruno Kern 1938 in Deutschbaselitz (Sachsen) geboren und nahm zu Beginn der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, in Anlehnung an seinen Geburtsort, diesen Künstlernamen an. Sein Studium der Malerei absolvierte er zuerst in Ost-Berlin an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst, später in West-Berlin an der Hochschule für Bildende Künste, wo er Meisterschüler von Hann Trier wurde. Georg Baselitz sorgte mit seinem Werk für seinen Ausschluss aus der Hochschule und für Skandale: Er wurde nach zwei Studien-Semestern wegen „gesellschaftspolitischer Unreife“ von der Hochschule in Ost-Berlin verwiesen und sorgte auch bei seiner ersten Westberliner Einzelausstellung in der Galerie Werner & Katz in Berlin für Aufruhr. Zwei seiner Werke aus dieser Ausstellung wurden von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Auch sorgte Baselitz durch verschiedene künstlerische Einfälle für Aufsehen und konfrontierte den Betrachter mit besonderen Kunstgriffen, wie das Umkehren der Motive, die um 180 Grad gedreht auf dem Kopf erscheinen.

Von Dezember 2013 bis April 2014 war der Meister zu „Besuch bei Ernst Ludwig“ im Kirchner Museum Davos. Mit Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen aus den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bis in die Gegenwart ergab sich eine Gegenüberstellung zwischen den beiden expressiven Künstlern. Etwas anderes verbindet die beiden Künstler darüber hinaus und zwar das spätere Überarbeiten der eigenen künstlerischen Produktion. Bei Ernst Ludwig Kirchner äusserte sich dies in dem von ihm selbst so genannten „Restaurieren“, als die sich noch im Atelier befindlichen Gemälde später im sogenannten „Neuen Stil“ überarbeitet wurden: Werke aus der Dresdner und Berliner Zeit erfuhren hier Übermalungen, die dem zu der Zeit aktuellen künstlerischen Empfinden der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts entsprachen. Zuvor nuancierte Partien wurden flächiger und plakativer, diese wurden durch starke Konturen abgegrenzt, die Darstellung insgesamt wurde ruhiger. Parallelen dazu finden wir im Werk von Georg Baselitz in den von ihm so benannten Remix-Werken. Diese ab 2005 entstandenen Werke bezogen sich auf die vorhergehenden Schaffensperioden und auch Baselitz überarbeitete Motive, die er bereits zuvor gemalt hatte, indem er diese in neuen Werken aufgriff und neu interpretierte.

Mit „Bald ist diese Zeit vorbei“ schuf Georg Baselitz 2010 ein Meisterwerk dieser späteren Schaffensperiode. Eine dunkelrosa gehaltene Figur sitzt auf einem blauen Stuhl. Die Arme sind verschränkt, die Beine auf Unterschenkelhöhe gekreuzt, der Kopf im Halbprofil gedreht. Stiefeletten erscheinen zu Füssen der Figur, so als würde jemand damit schreiten. Seitlich auch in blau etwas, das auf zwei Beinen steht. Die Darstellung steht auf dem Kopf, ist um 180 Grad gedreht, wie es die Werke des Künstlers in dieser Zeit sind. Ein Markenzeichen in Baselitz Werk, das ihn über die Deutschen Grenzen hinaus international bekannt gemacht hat. Es ist alles angedeutet, eher abstrakt gehalten. Die Binnenzeichnung und Schattengebung fehlen, nur Umrisse werden deutlich, wo die rosa und blauen Flächen sich von dem umliegenden weissen Hintergrund abheben. Der Pinselduktus ist grosszügig, breit angelegt und in raschen Bewegungen aufgetragen. Die Farbe legt sich ganz dünn auf die weisse Fläche und lässt diesen hellen Untergrund durchscheinen. Die so erzeugte Wirkung auf den Betrachter ist zweidimensional, Tiefe ist kaum erkennbar. Einzig die Stiefeletten sind dünn, schwarz umrandet und legen sich über das Dargestellte, sodass etwas Tiefe entsteht.

Das Motiv von „Bald ist diese Zeit vorbei“ kann eigentlich erst so richtig entschlüsselt werden, wenn man es mit einem viel früheren Werk aus Baselitz Schaffen vergleicht und zwar mit dem Gemälde „Akt Elke“, das im Jahre 1974 entstand[1]. Auch hier steht die Darstellung über Kopf, sie ist aber insgesamt viel naturgetreuer und man kann mehr Details erkennen. Es handelt sich um eine Hommage an seine eigene Frau Elke Kretzschmar, die der Künstler 1962 geheiratet hatte und der Baselitz eine ganze Serie gewidmet hat. Im Werk „Akt Elke“ sitzt die weibliche Hauptdarstellerin als Akt mit verschränkten Armen und im unteren Bereich gekreuzten Beinen auf einem blauen Stuhl und hat den Kopf zur Seite gedreht im Deiviertelprofil mit Blick aus dem Bild heraus auf den Betrachter. Hinter ihr steht eine ebenfalls blaue Kommode auf einem blau-schwarz-weissen Teppich. Die Wand ist gelb gefasst und das Ganze auf einem weissen Hintergrund. Der Farbauftrag ist auch hier flach gehalten und rasche Pinselstriche charakterisieren auch dieses Werk, wobei die Binnenzeichnung und die Schattierungen in diesem früheren Werk viel stärker ausgeprägt sind und somit dem Bild eine gewisse Tiefe verleihen. Die Kommode steht hier vor der Wand und vor der Kommode steht der Stuhl, worauf der Akt Elke zu sitzen kommt.

Beide Werke sind grossformatig. Sie messen 250 cm Höhe und 200 cm Breite. Beide zeigen eine sitzende Figur mit verschränkten Armen und gekreuzten Beinen auf einem blauen Stuhl mit etwas blauem im Hintergrund. Es ist davon auszugehen, dass „Bald ist diese Zeit vorbei“ in Beziehung zu dem älteren Werk „Akt Elke“ steht, auch wenn das erste keine eindeutigen Wiedererkennungs-merkmale bietet. Ob es sich um dieselbe dargestellte Person handelt, bleibt offen.

Eigenständig sind die Werke auf Papier von Georg Baselitz in seinem Werk zu betrachten. Es handelt sich nicht um eindeutige Vorarbeiten zu den Gemälden. Die dargestellten Motive sind ausgereifte Darstellungen, die sich gegenseitig ergänzen. Zeichnungen, Aquarelle, Holzschnitte und grossformatige Linolschnitte vervollständigen seit Jahrzehnten das Werk des Künstlers. Auch hier arbeitet der Künstler meist über Kopf.

Alexandra Henze Triebold

 

Herzlichst empfehlen wir Ihnen einen Besuch in unserer Galerie mit einem Gang durch die wunderbaren Ausstellungshallen der Fondation Beyeler zu verbinden, die sich nur wenige hundert Meter von uns entfernt in Riehen befindet. Anlässlich des 80. Geburtstages wird in der Fondation ab dem 21. Januar 2018 eine umfangreiche retrospektive Ausstellung von Georg Baselitz gezeigt. Das oben genannte Werk „Akt Elke“ wird dort ebenfalls ausgestellt, was die oben erwähnte Gegenüberstellung ermöglicht. Gleichzeitig wird das Kunstmuseum Basel eine Retrospektive der Zeichnungen und Aquarelle des Künstlers zeigen. Es wird Ihnen als Betrachter also von Januar bis April möglich sein, hier in Basel und Riehen eine umfassende Auswahl an Werken des Künstlers zu sehen. Basel steht für einmal ganz im Zeichen von Baselitz!

 


1 Für diesen Hinweis danken wir Professor Doktor Siegfried Gohr aus Berlin.

Galerie Henze & Ketterer
Kirchstrasse 26, CH 3114 Wichtrach
Tel. +41 (0)31 781 06 01
Galerie Henze & Ketterer & Triebold
Wettsteinstrasse 4, CH 4125 Riehen
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