RIEHEN / BASEL

ERNST LUDWIG KIRCHNER
Dresden - Berlin Davos. Meisterwerke auf Papier 1906-1937

6. September - 30. November 2014
Ausstellung verlängert bis 7. Februar 2015

Minikatalog (PDF)

  • Kirchner 1908 3FZ Paar am Strand 02

    Ernst Ludwig Kirchner
    Paar am Strand.
    Farbige Kreiden um 1908.
    Verso "Nächtlicher Park", Aquarell 1916. Mit Nachlass-Stempel.
    Obj. Id. 67697

  • Kirchner-1927-2A-Erna-im-Atelier

    Ernst Ludwig Kirchner
    Erna im Atelier (Akt im Raum).
    Aquarell und Tusche um 1927.
    49 x 36 cm. Mit Nachlass-Stempel.
    Obj. Id.  79838

     

     

  • Kirchner-1910-3FZ-Zwei-weibliche-Akte-im-Atelier

    Ernst Ludwig Kirchner
    Zwei weibliche Akte im Atelier.
    Farbige Kreiden um 1910.
    36,4 x 38,8 cm.
    Obj. Id.  67571

  • Kirchner-1918-5H-D334-Ziegenhirt 01

    Ernst Ludwig Kirchner
    Ziegenhirt.
    Holzschnitt 1918, Dube H 334 III.
    Signiert und datiert.
    47,7 x 38,5 auf 52,5 x 42,5 cm.
    Mit Nachlass-Stempel
    Obj. Id.  67936

  • Erich Heckel "Junger Clown", Holzschnitt, aquarelliert 1929. Dube H 344 a

    Ernst Ludwig Kirchner
    Blonde Pippa in weissem
    Tanzkostüm mit Schirm.
    Radierung 1911, Dube R 145b II.
    Signiert und datiert von Erna Kirchner.
    24,2 x 18,1 auf 53,5 x 44,2 cm.
    Obj.Id. 67399

  • Erich Heckel "Boot am Ufer". Holzschnitt 1912, Dube H241

    Ernst Ludwig Kirchner
    Toilettemachende Mädchen.
    Lithographie 1910. Dube L 144.
    38,5 x 32,5 auf 51,3 x 41,5 cm.
    Mit Nachlass-Stempel
    Obj.Id. 66515

 


ERNST LUDWIG KIRCHNER

Dresden - Berlin - Davos. Meisterwerke auf Papier 1906-1937

6. September - 30. November 2014

 

Vor Kirchner zogen sich die Damen und Mädchen, die Modelle und Freundinnen aus. Sie liessen sich vom Meister der Zeichnung, der Aquarelle sowie der Graphik zeichnen, malen und portraitieren. Mit wenigen klaren Linien fing der Künstler das Wesen und die Ausstrahlung der Menschen in seiner Umgebung ein, brachte diese zu Papier. Liegend, sitzend, stehend oder kniend präsentieren diese sich dem Betrachter und wirken nie gekünstelt in ihrer Haltung, als würde immer ein Moment des Bewegungsablaufes festgehalten werden. Bei der Toilette, beim Frisieren, beim Waschen, beim Schwimmen, beim Tanzen, beim Spielen, beim Sport, beim Rasten oder bei der Unterhaltung: Immer werden das oder die Modelle mit raschen, klaren Linien in Ihrer Haltung oder Bewegung eingefangen. Meistens posieren sie nicht für den Künstler, sie scheinen diesen gar nicht wahrzunehmen und sie wirken nicht als seien sie sich dessen bewusst, dass sie gerade gezeichnet oder gemalt werden.

Als Sohn eines Papierchemikers hatte Kirchner gute technische Kenntnisse des Mediums und eine ergiebige Quelle für seinen nachhaltigen und ständig sehr hohen Bedarf an gutem Papier. Günstige Bedingungen haben dafür gesorgt, dass so gut wie kaum etwas von dem unglaublich umfangreichen Werk des Künstlers verloren ging: Ausser einigen Ausnahmen, die im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ vernichtet wurden, hat fast das gesamte Oeuvre die Zeit und vor allem die beiden verheerenden Weltkriege überdauert. Dies sicherlich auch dank dessen Übersiedlung und Aufbewahrung in der neutralen Schweiz.

Bevorzugt hat Kirchner satiniertes, oder zumindest leicht satiniertes chamois, also hell beiges, Papier verwendet. Zum Teil und nicht selten auch hellbräunliches (Pack-) oder gelbes Papier. Diese dienten als Bildträger für Bleistift-, Kreide- und Tuschzeichnungen aber auch für Aquarelle und Druckgraphik. Signiert hat der Meister lediglich die Blätter, die zu seinen Lebzeiten für Ausstellungszwecke oder durch Verkauf das Atelier verlassen haben. Dies hat dazu geführt, dass die Echtheit dieser nur schwerlich nachahmbaren Kompositionen eher durch den Nachlass-Stempel nachgewiesen ist, der mit einer in Tinte angebrachten Nummerierung Auskunft über Technik, Entstehungsort und Motiv gibt, sowie durch die unterschiedlichen Inventar-Nummern, die in den meisten Fällen auf den Rückseiten angebracht wurden.


Überwältigend ist, in welcher Anzahl und Fülle und vor allem in welcher Qualität diese Werke auf Papier geschaffen wurden und erhalten sind. Dem Ernst Ludwig Kirchner Archiv – zuerst in Campione d’Italia ab 1979 und nun seit 1993 in Wichtrach bei Bern geführt – liegen Daten und Abbildungen von mindestens 12‘000 Skizzenbuchblättern, über 20‘000 Zeichnungen, 2‘000 farbigen Kreidezeichnungen und Aquarellen und mindestens ebenso vielen graphischen Werken vor. Dies ist, wenn man die relativ kurze Schaffenszeit Kirchners berücksichtigt, das umfangreichste Werk auf Papier des gesamten vergangenen Jahrhunderts – nur vergleichbar mit dem Oeuvre des ebenso künstlerisch „besessenen“ Pablo Picasso. Dabei sei hier angemerkt und hervorgehoben, dass jedes Blatt eine komplette Komposition zeigt, also keine Detailstudien und als absolutes Unikat anzusehen ist, was auch – und dies muss besonders betont werden – für die Druckgraphik zutrifft, die der Künstler in sämtlichen Entstehungsphasen eigenhändig ausgeführt hat und die er – was Papier, Zustand und Einfärbung betrifft – jeweils variierte.

Charakteristisch ist in diesen Werken die auf die Konturen reduzierte klare Linienführung, selten gewischt oder laviert, die kaum Volumina entstehen lässt. Ein stark auf das Wesentliche reduzierter Darstellungsmodus, der eine besonders rasche Arbeitsweise ermöglichte. Diesen hatte sich Kirchner während der gemeinsamen Jahre der Künstlergruppe „Brücke“ in den sogenannten „Viertelstundenakten“ zu eigen gemacht. Dabei durften die Modelle nicht länger als 15 Minuten in einer bestimmten Position verharren und das Gesehene musste in eben dieser Zeit von den Künstlern auf Papier festgehalten werden. Dies führte dazu, dass Korrekturen, wie etwa radieren, nicht möglich waren: wenn er sich geirrt hatte, dann überzeichnete er, sodass die Korrektur in der Darstellung sichtbar blieb.


Kirchner interessierte sich besonders für die Bewegung und so schuf er sehr oft Serien, sodass Momentaufnahmen des gesamten Bewegungsablaufes entstanden, wie Fotos, die in bestimmten Zeitabständen geschossen werden. Dies sehr gerne in unterschiedlichen Techniken, sodass wir oft ein Motiv in Ausführungen als Zeichnung, Kreide, Tusche, Holzschnitt, Radierung und Lithographie sowie als Gemälde kennen. Ja bisweilen auch als Plastik, Teppich und Fotografie.

Besonders inspirierend wirkte auf Kirchner der nackte menschliche Körper, insbesondere der weibliche Akt. Ob in den Ateliers in Dresden, Berlin und Davos, oder an den Moritzburger Teichen, an den Stränden der Insel Fehmarn und in den Wäldern von Davos, Kirchner stellte immer und immer wieder Erna, seine Lebensgefährtin und ständige Muse, Modelle, Freundinnen, die zu Besuch kamen, Tänzerinnen und Bauerntöchter dar, liess sich von deren nackter Haut zu wunderbaren Kompositionen animieren. Was ist denn auch unmittelbarer als der nackte Körper für die Darstellung der natürlichen Bewegung? Als Sonderling wird er sicherlich dadurch gegolten haben, besonders in Davos.


In der kommenden Herbstausstellung in unseren Galerieräumen in Riehen können Sie eine ganze Reihe von herausragenden Aktdarstellungen von Ernst Ludwig Kirchner aus den Dresdner, Berliner und Davoser Jahre sehen. Die Präsentation umfasst aber auch Werke zum Thema Zirkus, Tänzerinnen, Portraits, Bauern bei der Arbeit und sich Unterhaltende sowie Beispiele aus der Serie zur Wigman-Tanzgruppe, die Kirchner 1926 während seiner ersten Deutschlandreise nach der Übersiedlung in die Schweiz schuf. Auch hier war für ihn das Einfangen von Bewegung von besonderer Bedeutung.

Wir laden Sie herzlich dazu ein, diese Ausstellung zu besuchen. Vernissage wird am Samstag, dem 6. September, zwischen 12 und 19 Uhr sein und eine Vorbesichtigung ist im Rahmen des diesjährigen Season Opening der Basler Galerie schon am Vorabend, am Freitag, dem 5. September zwischen 17 und 21 Uhr möglich.


Alexandra Henze Triebold


Für weitere Informationen über Programm und Aktivitäten der Galerie, laden wir Sie herzlich auf unsere Webseite ein: www.henze-ketterer-triebold.ch

 

 

Galerie Henze & Ketterer
Kirchstrasse 26, CH 3114 Wichtrach
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ghkt (at) artgalleries.ch