FORSE MAI, O FORSE IN PARADISO

WOHL NICHT HIER, ABER SICHER IM HIMMEL

Giovanni Manfredini, die Künstler der "Brücke" sowie deren Nachfolger zum Thema Religion

2. September bis 26. November 2016

Einladungskarte (PDF)

Minikatalog (PDF)

  • Manfredini 2014 8PL Stabat Mater 79808

    Giovanni Manfredini
    Stabat Mater.
    Silber vergoldet 2014.
    Durchmesser 33 cm.
    Obj. Id. 79808

  • Mueller-Oerlinghausen 1930 8PL Christi Angst am Oelberg 01

    Berthold Müller-Oerlinghausen
    Christi Angst am Ölberg
    Bronze um 1930.
    Henze 68, H 67/69, B 41/43 cm.
    Obj. Id. 66590

     

     

  • Pechstein-1921-5H-K256-Das-Vater-Unser 02

    Hermann Max Pechstein
    Das Vater Unser
    Mappe mit 12 Holzschnitten 1921
    41 x 60 cm.
    Obj. Id. 80154

  • Schmidt-Rottluff-1918-5H-S205-Emmaus 01

    Karl Schmidt-Rottluff
    Emmaus.
    Holzschnitt 1918. Schapire H 205.
    29,2 x 35,8 auf 35,5 x 47 cm.
    Obj. Id. 66851

  • Manfredini-2016-2A-Giovanni-Bellini-II--80186

    Giovanni Manfredini
    Forse mai, o forse in paradiso
    (Giovanni Bellini II). Bleistift 2016.
    40 x 21 cm.
    Obj. Id. 80186

  • Kirchner 1918 5H D361 Absalom und seine Ratgeber 01

    Ernst Ludwig Kirchner
    Absalom und seine Ratgeber.
    Holzschnitt 1918.
    Dube H361, 40 x 37 auf 52,5 x 42,5 cm.
    Obj. Id. 65549

 

FORSE MAI, O FORSE IN PARADISO

WOHL NICHT HIER, ABER SICHER IM HIMMEL

Giovanni Manfredini, die Künstler der "Brücke" sowie deren Nachfolger zum Thema Religion

 

2. September bis 26. November 2016

Nebst allegorischen und historischen Darstellungen haben sich schon sehr früh in der bildenden Kunst Darstellungen und plastische Arbeiten zu religiösen Themen durchgesetzt und etabliert. Spätestens bei den alten Griechen und Römern wurden Götter, ihre Taten, Geschichten, Wandlungen und Handlungen in Bild und Plastik festgehalten, um Heiligtümer, Friedhöfe, öffentliche Plätze, aber auch den privaten Aussen- und Innenraum zu schmücken. Dies von mehrfach überlebensgross, wie die sagenumwobene vor 438 v. Chr. fertiggestellte, 11,5 Meter hohe "Athena Parthenos", die Phidias zugeschrieben wurde und die sich im Allerheiligsten des Parthenon in Athen befand, oder die zwischen 438 und 430 v. Chr. ebenfalls von Phidias geschaffene, etwa 13 Meter grosse "Zeus-Statue" im Tempel von Olympia, die zu den sieben Weltwunder der Antike zählt, bis wenige Zentimeter gross für den häuslichen Gebrauch beispielweise im "Lararium", dem verbreiteten Hausaltar in römischen Privathäusern. Diese Tradition der bildlichen zwei- und dreidimensionalen Verewigung göttlicher Begebenheiten ist vom aufkommenden Christentum übernommen und weiterentwickelt worden: Nun waren aber nicht mehr die Götter des Olymps, oder die römische Götterwelt Objekt der Darstellung, sondern Gott-Vater aus dem alten Testament und Jesus Christus, seine Apostel und die Heiligen, wie sie das neue Testament und die Heiligenlegenden beschrieben. Besonders für die überwiegend der Schrift nicht kundige Bevölkerung sollten diese Darstellungen ein Mittel zur Verbreitung der Worte Gottes sein, das religiöse Verständnis fördern , das Handeln der Gläubigen lenken und als Beispiel für tugendhaftes Handeln Vorbild sein. Dies als wortbegleitende Abbildung in Hand- und später in Druckschriften, insbesondere aber als selbständige Bilder an den Wänden von Kirchen und Palästen bis zum heutigen Tage. Wunderbare Fresken, wie die um 1300 n. Chr. von Giotto in der Arena Kapelle in Padua oder in der Basilika von San Francesco in Assisi, Tafelbilder, wie die von Caravaggio in Italien, die von Dürer oder der Isenheimer Altar von Matthias Grünewald nördlich der Alpen oder die von Anthonis Van Dyck und Peter Paul Rubens in den Niederlanden, Altäre, aber auch Standbilder, wie die Pietá von Michelangelo und ganze Gebäude, wie die gotischen Kirchen, entsprangen diesem Bedürfnis Gott und Christus zu huldigen. Einige Hinweise auf die heutigen Nachwirkungen dieser Tradition zeigen wir in der nun kommenden Ausstellung mit Werken der Künstler der "Brücke", wie Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Emil Nolde, Hermann Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff, der Klassischen Moderne, mit Eduard Bargheer, Berthold Müller-Oerlinghausen aus dem vergangenen Jahrhundert und eines zeitgenössischen italienischen Künstlers: Giovanni Manfredini, dessen Werk religiösen Themen verpflichtet ist und der für diese Ausstellung zwei Serien neuer Werke geschaffen hat. Dies verdeutlicht, wie intensiv das Bedürfnis immer noch ist, religiöse Themen zu Papier und auf die Leinwand zu bringen oder plastisch umzusetzen.

Wie ein Schleier legen sich die Christus-Figuren über die fotografischen Detail-Reproduktionen aus Darstellungen von Antonello da Messina, Bellini, Caravaggio, Guido Reni, Lotto und Mantegna, Ribera oder Ter Brugghen. Es handelt sich um Kreuzigungen, liegende Christus-Darstellungen oder sein Antlitz, die Manfredini mit dem Bleistift überarbeitet, verfremdet und erweitert hat. Es sind subtile Eingriffe, die das zeichnerische Können des Meisters, den wir bislang als solchen noch nicht erlebt haben, offenbart. Warum Manfredini? Der 1963 in der Nähe von Modena geborene Künstler hat sich mit seinen "Tentativi di Esistenza" (Versuche zur Existenz), den "Corpi" (Körpern) und deren Sublimierungen, den "Estasi" (Ekstasen) in seiner ganz eigenen Technik des durch Feuer geschwärztem Muschelmehls mit Abdrücken seines eigenen Körpers in den ersteren und deren kreisrunden Apotheosen in den letzteren schon mit Kreuzigungen und im religiösen Sinne Aufnahmen im Himmlischen beschäftigt. Äusserungen dieser Werkgruppen werden als Vervollständigung des künstlerischen Werdegangs auch beispielhaft in die Ausstellung einbezogen, so, dass man die kontinuierliche Auseinandersetzung Manfredinis mit religiösen Themen nachvollziehen kann. Darüberhinaus hat Manfredini mit "Stabat Mater" eine wertvolle Ausführung einer Dornenkrone geschaffen, die wir ebenfalls zeigen können. Diese erregte schon - begleitet von Kompositionen von Ennio Morricone - während der letzten Biennale von Venedig grosses Aufsehen. Ikonenhaft hingegen erscheinen die vom Künstler gefertigten Portraits der Künstler der "Brücke", die auch eigens für diese Ausstellung geschaffen wurden. Hier, in Tempera auf Papier, wurde insbesondere der durchdringende Blick der verstorbenen Künstler festgehalten, durch den Manfredini Zugang zu deren Kunst erlangen möchte. Er will einen Kontakt mit diesen herstellen, sowohl mit den Expressionisten, wie auch mit den grossen Meistern der Vergangenheit. Er reagiert auf deren Malereien in den fotografischen Überarbeitungen und auf deren Blick in den Künstlerportraits. Manfredini schafft so einen Zugang sui generis zu diesen Malern und deren Werken. Dennoch schränkt er diesen Kontakt für dieses Leben ein und formuliert dies im Titel seiner Werke und auch im Titel der Ausstellung: "forse mai" (Wohl nicht hier). Einen direkten Kontakt räumt er erst im Jenseits ein: "o forse in Paradiso" (aber sicher im Himmel).

Auch wenn Manfredini in diesem Leben keine Begegnung auf Augenhöhe mit diesen Künstlern der Vergangenheit für möglich hält, so wird er doch eine Gegenüberstellung seiner Werke mit denen der "Brücke" und deren Nachfolgern erleben, und er scheut dies nicht. Prozessionen von Bargheer, Darstellungen aus der Apokalypse von Kirchner, "Die Auferweckung des Lazarus" und "Jünger" von Müller-Oerlinghausen, Szenen aus dem Alten Testament von Nolde, das unvergleichliche und herausragende "Vater Unser" von Pechstein, eine Folge von Holzschnitten zum Grund-Gebet der Christenheit, Propheten und Begebenheiten aus dem Leben Christi von Schmidt-Rottluff sowie zwei Werke von Bernard Schultze haben wir für diese Ausstellung gewinnen können. Einen reichen Fundus an Werken mit religiösem Hintergrund, des Alten und des Neuen Testamentes, sowie die Einbeziehung der Gläubigen und deren Umgebung auf das reichlichste bebildert. Diese belegen auch für die jüngste Zeit ein Verlangen, sich künstlerisch mit diesem Themenkreis auseinanderzusetzen.

Wir laden Sie und Ihre Freunde herzlichst ein zur Vernissage, die dieses Mal wieder an einem Freitag stattfinden wird, und zwar am 2. September von 12.00 bis 21.00 Uhr, oder auch gerne zu einem späteren Besuch der Ausstellung.

Verbinden Sie doch einen Besuch in unserer Galerie mit einem Gang durch die wunderbaren Ausstellungshallen der Fondation Beyeler, die sich nur wenige hundert Meter von uns entfernt in Riehen befinden. Ab 4. September können Sie dort die Ausstellung "Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter" sehen. Ab dem 2. Oktober werden Sie dort die Möglichkeit haben die Ausstellung von Roni Horn zu besuchen. Werke aus der Sammlung der Fondation Beyeler sind immer zu sehen.

Wir würden uns sehr freuen, Sie und Ihre Kunstfreunde in unserer Galerie begrüssen zu dürfen.

 

Alexandra Henze Triebold

Für weitere Informationen über Programm und Aktivitäten der Galerie, laden wir Sie herzlich auf unsere Webseite ein: www.henze-ketterer-triebold.ch

 

 

Galerie Henze & Ketterer
Kirchstrasse 26, CH 3114 Wichtrach
Tel. +41 (0)31 781 06 01
Galerie Henze & Ketterer & Triebold
Wettsteinstrasse 4, CH 4125 Riehen
Tel. +41 (0)61 641 77 77