RIEHEN / BASEL

Lyonel Feiningers Naturstudien in und um Weimar 

Einstimmung auf 100. Jahre Bauhaus 

 8. Juni bis 29. September 2018

verlängert bis Ende Oktober 2018

 

Einladungskarte (PDF)

 Onlinekatalog (PDF)

  • Feininger 1914 4Z Eichelborn AMFA 0920

    Lyonel Feininger
    Eichelborn.
    Bleistift auf Papier 1914.
    15,8 x 20,4 cm.
    Obj. Id: 80395 

  • Feininger 1929 4Z Stadtkirche  Weimar I

    Lyonel Feininger
    Stadtkirche, Weimar I.
    Kohle auf Bütten 1929.
    37,5 x 29 cm. 
    Obj. Id: 80422

     

     

  • Feininger 1920 4Z Dorfstrasse AMFA 1167

    Lyonel Feininger
    Dorfstrasse.
    Bleistift auf Papier 1920.
    15,9 x 20,6 cm.
    Obj. Id: 80418 

  • Feininger 1913 3FZ Niedergrunstedt AMFA 0859

    Lyonel Feininger
    Niedergrunstedt.
    Bleistift und Buntstift auf Papier 1913.
    12,6 x 20 cm.
    Obj. Id: 80403

     

     

  • Feininger 1913 4Z Weg im Park  Weimar AMFA 0792

    Lyonel Feininger
    Weg im Park, Weimar.
    Bleistift auf Papier 1913.
    15,8 x 20,2 cm.
    Obj. Id: 80381

     

     

  • Feininger 1913 3FZ Sternbruecke  Weimar AMFA 0826

    Lyonel Feininger
    Sternbrücke, Weimar.
    Wachskreide auf Papier 1913.
    15,8 x 20,2 cm.
    Obj. Id: 80386

     

     

 

Lyonel Feiningers Naturnotizen in und um Weimar

Einstimmung auf 100 Jahre Bauhaus

 

8. Juni bis 29. September 2018

 

Vor fast hundert Jahren, 1919, wurde das Bauhaus in Weimar gegründet und so wird das kommende ein reguläres Bauhaus-Jubiläumsjahr werden. Nicht nur an den einstigen Wirkungsstätten Weimar, Dessau und Berlin, wo sogar neue Museumsbauten eröffnet werden sollen, sondern in ganz Deutschland und darüber hinaus sind eine Vielzahl von Ausstellungen, Kunstprojekten, Veranstaltungen und Aktionen geplant, die zeigen, wo und wie das Bauhaus Architektur, Stadtplanung, Gestaltung, bildende Künste, Design, Fotografie, Tanz und vieles mehr im Sinne eines Gesamtkunstwerkes entwickelt und geprägt hat. Es geht dabei nicht nur um die historische Einordnung, sondern auch um die zukünftige Wirkung in den Künsten.

Es sollen nicht nur Artefakte aus der Bauhaus-Zeit ausgestellt werden, sondern auch neue Kulturzentren und Austragungsorte im Sinne des Bauhauses entstehen. Der Ausstellungszyklus beginnt im Frühjahr 2019 in Weimar mit einem Festakt zur Gründung des Bauhauses als Eröffnung der Jubiläumsschau. Diese Ausstellung im neuen bauhaus museum weimar wird als die älteste Bauhaus-Sammlung weltweit den Einfluss der Gründung des Bauhauses auf die Moderne darstellen. Im Sommer 2019 wird das Bauhaus-Archiv/ Museum für Gestaltung in Berlin besondere, zum Teil weltberühmte Klassiker des Bauhauses zeigen und wird somit das Verhältnis von Unikat und Edition, Original und Kopie beleuchten. Die Ausstellung der Stiftung Bauhaus Dessau, die im Herbst 2019 im neuen Bauhaus Museum Dessau eröffnet wird, zeigt Objekte, die heute selbstverständliche Bestandteile unserer Umgebung sind. Es wird der Einfluss des Bauhaus-Erbes auf die heutige Allgemeinkultur in den Mittelpunkt gesetzt. Mit unserer Ausstellung zu den „Naturnotizen in und um Weimar“ von Lyonel Feininger möchten wir das Gedenken des 100. Jahrestages der Gründung des für Kunst und Gestaltung wegweisenden Bauhauses einleiten.

Innovativer Grundgedanke und Anspruch des von Walter Gropius gegründeten Bauhauses in Weimar – später Dessau, dann Berlin - war, Kunst und Handwerk zu vereinen, indem eine neue Generation umfassend kompetenter und engagierter Gestalter angeleitet wurde, den Alltag zu revolutionieren und eine neue, bessere Welt zu gestalten. Gropius engagierte hierfür diverse Meister, die jeweils eine der Werkstätten betreuten, in denen das Experimentieren und Entwerfen geübt wurde, wobei die Trennung von Lehre und Praxis weitgehend aufgehoben war. Als Lehrer konnte Gropius bedeutende Künstler wie Lyonel Feininger, Johannes Itten, Josef Albers, Paul Klee (ab 1921), Wassily Kandinsky (ab 1922) und Oskar Schlemmer (ab 1921) für das Bauhaus gewinnen. In pädagogisch angepasster, umorientierter und experimenteller Weise wurde am Bauhaus der Umgang mit Materialien, wie Glas, Holz, Ton und Metall bis hin zur Bühnenkunst und zur Ausbildung in Typografie, Fotografie und Reklame erprobt. Arbeit und Lehre, Experimentieren und Unterricht waren eng miteinander verbunden. Die verschiedenen Werkstätten boten den Studierenden eine enorme Bandbreite an Möglichkeiten. Noch heute orientieren sich weltweit Kunstschulen an den vom Bauhaus geprägten Ausbildungs-Methoden mit einem Einführungskurs, bei dem Wert auf eine vielseitige und umfassende Ausbildung der Schüler gelegt wird, und anschliessender Teilnahme in verschiedenen Werkstätten.

Im Mai 1919 wurde Lyonel Feininger als einer der ersten Meister durch Walter Gropius an das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen, wo er von 1919 bis 1925 die graphischen Werkstätten leitete. Auf dem Titelblatt des Bauhausmanifestes von 1919 wurde sein Holzschnitt „Kathedrale” abgebildet. 1921 wurde als erste Veröffentlichung des Weimarer Bauhauses eine Mappe mit zwölf Holzschnitten Feiningers publiziert. Später übersiedelte er gemeinsam mit dem Bauhaus nach Dessau, wo er, entbunden von jeglichen Lehrverpflichtungen, bis 1933 blieb.

Der 1871 in New York geborene Feininger bekannte sich erst spät zur Malerei nachdem er lange als Karikaturist tätig war. Ab 1906, als Feininger erstmals nach Weimar reiste, um seine zukünftige zweite Frau Julia zu besuchen, begab er sich häufig in die Gegend in und um Weimar und schuf Zeichnungen vor der Natur. Auch hier entstanden seine „Naturnotizen“, eine Art visuelles Tagebuch, die er in einem Ordner abheftete und später als Vorlagen für seine Bilder hervorholte. Es handelte sich um liebevolle, abstrahierende Dokumentationen der Städte und Landschaften von Weimar und dessen Umgebung, ein Festhalten des Gesehenen in kleinformatigen Blättern. Ein längerer Aufenthalt in der Gegend erfolgte zwischen 1913 und 1914 und dann wieder ab 1919, als er an das dortige Bauhaus berufen wurde. Es war besonders die Architektur mit ihren herausragenden Kirchen, mit Türmen, aber auch Strassenzüge mit Häusern, Brücken und immer wieder die offene Landschaft, die Feininger zu ausgereiften Darstellungen im kleinen Format inspirierten. Dafür bereiste er nicht nur die Stadt Weimar, sondern auch die umliegenden, idyllisch gelegenen Dörfer.

Feiningers „Notizen nach der Natur“, wie er sie nannte, kann man als erste Skizzen vor Ort, das erste festhalten des Gesehenen, sei es Landschaft oder Architektur, oft auch mit menschlichen Figuren, ansehen. Er schuf eine grosse Anzahl solcher kleinformatiger Zeichnungen auf Papier mit Bleistift, Kohle, Feder oder farbigen Kreiden in einem Format das selten die 20 cm übertrifft. Sie dienten dem Künstler als Fundgrube, als Archiv auf das er immer wieder auch nach langer Zeit zurückgriff. Immer bildete das Aufzeichnen des Gesehenen, das Festhalten der unmittelbaren Erlebnisse in der Natur den Anfang einer künstlerischen Entwicklung, an deren Ende dann eine Komposition in Öl gemalt oder in einen Holzstock geschnitten stehen konnte. Es war sein künstlerisches Kapital. Die ersten dieser Werke sind ab 1887 belegt, aber kontinuierlich entstanden sie ab 1906, bzw. 1911. Die Stilentwicklung in Feiningers Oeuvre ist den Natur-Notizen ablesbar, diese waren die Experimentier-Fläche, die der Künstler nutzte, um neue künstlerische und stilistische Errungenschaften zu erproben. Mit grosser Begeisterung und Leidenschaft, die aus den begleitenden Schriften und Briefwechseln ersichtlich sind, unternahm Feininger tägliche Radtouren, die ihn von Weimar aus in alle Himmelsrichtungen auf die Dörfer führten. Feininger fertigte von seinen Lieblingsmotiven auch mehrere Zeichnungen aus verschiedenen Blickwinkeln an, um das Gesamte zur erfassen, dies in raschen, sparsamen Linien mit zunehmender perspektivischer Verzerrung, kubisch vereinfachten Architekturformen und angedeuteten Schraffuren.

Feininger betonte auch seinen Studenten am Bauhaus gegenüber immer wieder, dass das Naturstudium vor dem Objekt die wichtigste Grundlage aller künstlerischen Bestrebungen sei. Feininger schuf erste Form-Ideen vor dem Objekt seines Interesses als kleinformatige Zeichnung, um diese dann auch Jahre später in Gemälde und Graphik umzusetzen, so entstanden nach den „Naturnotizen“ in und um Weimar auch noch Jahre später Werke nach diesen Thüringer Motiven.

 

Diese Ausstellung kam dank freundlicher Unterstützung des „The Lyonel Feininger Project, New York“ zustande.


Alexandra Henze Triebold

 

Wir laden Sie und Ihre Freunde herzlichst ein zur Vernissage dieser Jubiläumsausstellung zu Ehren des 100. Jahrestages der Bauhaus Gründung in Weimar, am Freitag, dem 8. Juni 2018, zwischen 12.00 und 19.00 Uhr, oder auch gerne zu einem späteren Besuch der Ausstellung.

Wir würden uns sehr freuen, Sie und Ihre Kunstfreunde in unserer Galerie begrüssen zu dürfen.

 

Galerie Henze & Ketterer
Kirchstrasse 26, CH 3114 Wichtrach
Tel. +41 (0)31 781 06 01
Galerie Henze & Ketterer & Triebold
Wettsteinstrasse 4, CH 4125 Riehen
Tel. +41 (0)61 641 77 77