Erich Heckel

Übigauwerft

1907
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Werkangaben

Öl auf Leinwand

64 x 70 cm

Unten rechts monogrammiert und datiert

Rückseitig auf dem Keilrahmen signiert, betitelt und datiert

Hüneke 1907-15

Obj. Nr: 
72949
Preis auf Anfrage
WEITERE INFORMATIONEN

Die Schiffswerft Übigau war ein beliebtes Motiv für Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel. Sie stellten sie vorzugsweise vom Friedrichstädter Elbufer aus dar. Kirchner schuf 1908 von dort ein Gemälde (Gordon 0036 verschollen), eine Radierung und diverse Zeichnungen. Die Werft wurde 1873 gegründet und entwickelte sich zur führenden deutschen Binnenwerft mit bis zu 1.500 Mitarbeitern. 1958 wurde sie geschlossen. Einige Fabrikhallen sind erhalten sowie der charakteristische "Übigauer Uferkran".

Hinter drei Gestalten links am diesseitigen Ufer erscheint quer die Elbe bis zur oberhalb der Bildmitte waagerecht schliessenden Linie des gegenüberliegenden Ufers. In der Elbe spiegeln sich die dahinterliegenden Gebäude der Werft mit Schornsteinen und einem davor liegenden Kahn rechts.

Stilistisch gehört dieses Gemälde in den Frühexpressionismus eines in breiten kurzen heftigen Pinselstrichen aufgetragenen grosszügigen spätimpressionistischen Divisionismus, in dem damals die Brücke-Künstler, aber auch Emil Nolde und viele Zeitgenossen malten. Heftig nicht nur der Pinselhieb sondern auch schon die Abkürzung der Form und der Farbe, ungemischt nebeneinander gesetzt, nur in den Blautönen bisweilen weiss gehöht.

Eine der typischen Stadtlandschaften Erich Heckels, der nicht die grosse hergebrachte Vedute suchte sondern die Bereiche des einfachen Lebens und der Arbeitswelt in allerdings eindrücklicher Weise darstellte.

angaben zum künslter

Erich Heckel, einer der wichtigsten Maler und Graphiker des deutschen Expressionismus, wird 1883 in Döbeln an der Freiberger Mulde geboren, und verbringt seine Kindheit und Schulzeit in Dresden und in Chemnitz. Am Humanistischen Gymnasium Chemnitz lernt er Karl Schmidt-Rottluff kennen und fertigt erste Tusche- und Aquarellstudien nach der Natur an.

1904 beginnt Heckel ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Dresden und lernt dort die Kommilitonen Ernst Ludwig Kirchner und Fritz Bleyl kennen. Am 7. Juni 1905 gründen diese gemeinsam mit Schmidt-Rottluff die Künstlervereinigung «Brücke». Das gemeinsame Interesse an der Kunst und der Vorsatz, sich von der akademischen Malweise zu lösen, führt zu einer innovativen Zusammenarbeit: Im Vordergrund steht nun die bildliche Darstellung des eigenen Empfindens, welches unter der Verwendung reiner, oft komplementärer und nicht naturgetreuer Farben, kantiger Formen und sich wiederholender Bildsujets (beispielsweise des Akts in der Natur) zum markanten «Brücke»-Stil führt. Es ist die Geburtsstunde des Deutschen Expressionismus. Im Herbst 1911 zieht Heckel nach Berlin um, im Mai 1913 löst sich die Brücke schliesslich auf.

Nach dem Ersten Weltkrieg entstehen Wandmalereien auf Holz und in Secco-Technik sowie ab den 1920er Jahren romantisch-idealistischere Aquarellwerke und poetische Landschaften auf seinen alljährlichen Arbeitsreisen durch die Alpen, Südfrankreich, Italien und Deutschland. Im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird Heckels Kunst als «entartet» degradiert und aus deutschen Museen entfernt.

1944 zieht Heckel nach Hemmenhofen am Bodensee und nimmt von 1949 bis 1955 einen Lehrauftrag an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe an. In seinem Spätwerk gestaltet er in zarten Farben Zirkusszenen und Stillleben. 1970 stirbt Heckel in Hemmenhofen.