Erich Heckel

Alsterlandschaft

1913
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Werkangaben

Öl und Tempera auf Leinwand

69,5 x 79 cm

Unten rechts monogrammiert und datiert "EH 13". Rückseitig auf der Leinwand in Schwarz signiert "Erich Heckel".

Hüneke 1913-29

Obj. Nr: 
80008
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WEITERE INFORMATIONEN

Bereits 1914 erwarb der Essener Augenarzt und Sammler Prof. Dr. Richard Hessberg (1879 Essen 1960) das Gemälde. Spätestens 1960 nach dessen Tod ging das Gemälde an den Sohn Dr. Klaus Hessberg über, der es dem Museum Folkwang als Dauerleihgabe übergab.

Karl Schmidt-Rottluff hatte durch seine Aufenthalte in Dangast am Jade-Busen bereits seit 1907 sich Sammler und Freunde in Hamburg geschaffen. Im Oktober 1910 reisten auch Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner nach Hamburg und besuchten Gustav Schiefler, den Spiritus Rector des dortigen frühen "Brücke"-Sammlerkreises, und in den folgenden Jahren des öfteren auch in dessen Landhaus in Mellingstedt, wo Heckel diverse Alsterlandschaften und die Mellingburger Schleuse in allen Techniken darstellte.

Wie so oft in den Landschaften Erich Heckels wird die untere Hälfte von einem Fluss bzw. hier von der schmalen Alster, die sich zu einem kleinen Teich weitet, eingenommen. Die gegenüberliegende Uferlinie teilt die Komposition waagerecht in der Mitte. Rechts verschwindet die Alster etwas höher unter den Bäumen, welche die obere Bildhälfte beherrschen, nur wenig vom darüber liegenden blauen Himmel frei lassend.

Obwohl auch in der unteren Hälfte das sich auf der Wasseroberfläche spiegelnde Blau dominiert, überwältigt die Komposition doch das Grün der Bäume, ein Frühjahrsgrün. Die Parklandschaft wird zu einem Vegetationsbild.

Die reine Landschaft war bereits im frühen Werk von Erich Heckel von hoher Bedeutung. In den folgenden Jahrzehnten bis in die 1950er Jahre wurde sie dominant. In ihr konnte er seine jeweilige reine Malerei ohne Ablenkung durch bestimmte und bestimmende Gegenstände oder Personen entfalten. Hier in den heftigen expressiven Pinselhieben des Jahres 1913.

angaben zum künslter

Erich Heckel, einer der wichtigsten Maler und Graphiker des deutschen Expressionismus, wird 1883 in Döbeln an der Freiberger Mulde geboren, und verbringt seine Kindheit und Schulzeit in Dresden und in Chemnitz. Am Humanistischen Gymnasium Chemnitz lernt er Karl Schmidt-Rottluff kennen und fertigt erste Tusche- und Aquarellstudien nach der Natur an.

1904 beginnt Heckel ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Dresden und lernt dort die Kommilitonen Ernst Ludwig Kirchner und Fritz Bleyl kennen. Am 7. Juni 1905 gründen diese gemeinsam mit Schmidt-Rottluff die Künstlervereinigung «Brücke». Das gemeinsame Interesse an der Kunst und der Vorsatz, sich von der akademischen Malweise zu lösen, führt zu einer innovativen Zusammenarbeit: Im Vordergrund steht nun die bildliche Darstellung des eigenen Empfindens, welches unter der Verwendung reiner, oft komplementärer und nicht naturgetreuer Farben, kantiger Formen und sich wiederholender Bildsujets (beispielsweise des Akts in der Natur) zum markanten «Brücke»-Stil führt. Es ist die Geburtsstunde des Deutschen Expressionismus. Im Herbst 1911 zieht Heckel nach Berlin um, im Mai 1913 löst sich die Brücke schliesslich auf.

Nach dem Ersten Weltkrieg entstehen Wandmalereien auf Holz und in Secco-Technik sowie ab den 1920er Jahren romantisch-idealistischere Aquarellwerke und poetische Landschaften auf seinen alljährlichen Arbeitsreisen durch die Alpen, Südfrankreich, Italien und Deutschland. Im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird Heckels Kunst als «entartet» degradiert und aus deutschen Museen entfernt.

1944 zieht Heckel nach Hemmenhofen am Bodensee und nimmt von 1949 bis 1955 einen Lehrauftrag an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe an. In seinem Spätwerk gestaltet er in zarten Farben Zirkusszenen und Stillleben. 1970 stirbt Heckel in Hemmenhofen.