Georg Baselitz

La Nuit mit Marie

2002
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Werkangaben

Linolschnitt auf Papier

202 x 150 cm auf 228 x 170 cm

Exemplar 2/6.

Unten links in Bleistift nummeriert. Unten rechts in Bleistift signiert und datiert

Obj. Nr: 
80311
Preis auf Anfrage
WEITERE INFORMATIONEN

La Nuit mit Marie gehört zur grossformatigen Druckgrafikserie Belle Haleine von Georg Baselitz. Der Titel der Serie verweist auf Marcel Duchamps und Man Rays readymade Kunstwerk Belle Haleine, Eau de Voilette (1920). Der Titel ist ein Wortspiel mit „Eros, c’est la vie“, was so viel bedeutet wie „Liebe [oder Sex], das ist das Leben“ – eine Interpretation, die Baselitz in die zehn Drucke einfliessen lässt. Die Grafiken sind wiederum erotischen Darstellungen des 19. Jahrhunderts nachempfunden und wurden von Baselitz in seine eigene charakteristische, expressive Bildsprache überführt.

Wie in vielen seiner Werke seit 1969 stellt Baselitz die Figuren auf den Kopf, um einer beschreibenden Interpretation seines Sujets zu entgehen.

Innerhalb der Serie Belle Haleine verweist der Titel La Nuit mit Marie auf eine Muse und ein Modell des Malers Balthus und ergänzt unser Werk um eine weitere kunsthistorische Referenz. Wie mehrere Blätter der Serie verbindet die Arbeit damit unterschiedliche Bezüge zur Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts und führt sie in Baselitz’ eigener Bildsprache zusammen.

Für die Serie arbeitete Baselitz direkt auf grossformatigen Linolplatten, die er ohne vorbereitende Zeichnungen bearbeitete. Die spontane und unmittelbare Arbeitsweise bleibt in den markanten Linien und der lebendigen Struktur des Drucks sichtbar.

angaben zum künslter

Geboren 1938 und im sächsischen Dorf Deutschbaselitz im Landkreis Bautzen aufgewachsen, zählt der deutsch-österreichische Maler, Bildhauer und Grafiker Georg Baselitz (eigentlicher Name Hans-Georg Kern) zu den international renommiertesten zeitgenössischen Künstlern.

Zentrales Thema seiner figurativ-expressiven Werke ist die Zerstörung und Ordnung, oftmals vermischt mit autobiografischen Zügen. Als junger Erwachsener lernt er die repressive Staatsdoktrin der DDR kennen. Nach nur zwei Semestern an der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst in Ost-Berlin wird er wegen "gesellschaftspolitischer Unreife" des Landes verwiesen. Nach seinem Kunststudium in West-Berlin lässt Baselitz den sozialistischen Realismus der DDR mit seinen typisierten Helden und seiner Heroisierung der Arbeit hinter sich. Begeistert wendet er sich den neuen Strömungen aus den USA wie Tachismus, Abstraktion und Action Painting zu. Nachhaltige Inspiration findet Baselitz vor allem in der freien, radikalen und ungestümen Arbeitsweise des abstrakten Expressionismus, der den Entstehungsprozess und die Wirkung der Farbe und die «Malerei als Aktion» in den Vordergrund stellt. Darin sieht Baselitz ein Ventil, um den gesellschaftlichen Zwängen zu entsagen. Ab 1969 dreht Baselitz das Bildmotiv um 180 Grad. Baselitz bricht damit nicht nur mit der traditionellen Malerei in Deutschland, sondern entwickelt eine neue Richtung der figurativen Kunst zu einer Zeit, als die Abstraktion als Weltsprache gilt.

Trotz der allgemeinen Rezeption als der deutsche "Malerfürst" schlechthin, nimmt die Druckgrafik in Baselitz’ Œuvre eine gleichberechtigte Rolle neben der Malerei ein und gilt als eigenständiges Ausdrucksmittel. Ab 1964 entstehen Radierungen, in deutlich geringerem Umfang auch Linol- und Holzschnitte. Dabei knüpfen seine druckgraphischen Erkundungen an bestehende Themen der Malerei an jedoch mit eigenständigen künstlerischen Anspruch. Zu Baselitz’ Werk zählen auch Bühnenbilder und Skulpturen.

Von 1977-1983 hält Baselitz’ eine Professur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe inne, von 1983-1988 und von 1992-2003 ist er Professor an der Hochschule der Künste in Berlin.