Karl Schmidt-Rottluff
Haus mit Pappeln
Auf chamois Velin.
Unten rechts signiert. Unten links mit dem Trockenstempel "Die Schaffenden".
23,7 x 24,7 auf 32 x 42 cm.
Schapire H 118
Eines von 100 Exemplaren auf diesem Papier erschienen in «Die Schaffenden», 1. Jg. 1. Mappe, Blatt Nr. 10, herausgegeben von Paul Westheim im Gustav Kiepenheuer Verlag, Weimar, 1920, Gesamtauflage: 125 Exemplare. Abbgebildet in: Das Kunstblatt 1917, Heft 11; Cicerone 1918, Heft 5-6.
Karl Schmidt-Rottluff schuf diesen Holzschnitt im Sommer 1913 in Nidden auf der Kurischen Nehrung. Vergleiche das seitenverkehrte Motiv in dem 1913 entstandenen Gemälde "Das Rote Haus".
Durch die trapezförmige, nach oben hin abgeschrägte Form des Holzschnitts steigert Schmidt-Rottluff den Ausdruck seiner Darstellung. Die Landschaft wird zudem durch eingekerbte Parallellagen und kantige Richtungsumbrüche dynamisiert.
Als Mitbegründer der Dresdner Künstlervereinigung «Brücke» und bedeutender Vertreter des deutschen Expressionismus zählt Karl Schmidt-Rottluff, 1884 in Rottluff geboren, zu einem der wichtigsten Künstler, Grafiker und Plastiker der Moderne. Dem «Brücke»-Leitprinzip folgend, sucht Schmidt-Rottluff in der formalen Vereinfachung, bewussten Vergröberung und Übersteigerung der Farbe seinerzeit avantgardistische Wege, um einen neuen Kunst- und Lebensstil auszudrücken. Dabei zählt zu seinen bevorzugten Motiven der Mensch in Bewegung und in Natur, der Akt, der Zirkus, das Varieté, das Leben in der Grossstadt und die unberührten Landschaften an der Nord- und Ostsee.
Schon während der Schulzeit in Chemnitz lernt Schmidt-Rottluff den um ein Jahr jüngeren Erich Heckel kennen und beginnt mit ihm 1905 ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule in Dresden. Dort erfolgt gemeinsam mit den Kommilitonen Ernst Ludwig Kirchner und Fritz Bleyl die Gründung der «Brücke» (bis 1913) und die Arbeit als freischaffende Künstler. Schmidt-Rottluff verbringt dabei die Sommer in Dangast (1907-1910). 1911 zieht er gemeinsam mit Kirchner und Heckel nach Berlin und nimmt an wichtigen Werkschauen teil, beispielsweise an der «Neuen Secession» in Berlin (1910) und an der 2. Ausstellung des «Blauen Reiters» in München (1912). Aufenthalte an der Ostsee (Fehmarn, Nidden und Hohwacht) sowie in den 1930er Jahren in Jershöft und in Italien, Paris und im Tessin folgen. Während des Zweiten Weltkrieges wird er von den Nationalsozialisten als «entarteter» Künstler diffamiert und mit einem Ausstellungs- und Malverbot belegt. 1947 erhält er eine Professur an der Kunsthochschule in Berlin Charlottenburg und nimmt 1955 an der ersten documenta in Kassel teil.
1964 initiiert er die Gründung des Brücke Museums in Berlin-Dahlem und erwirbt bis zu seinem Tod 1976 kontinuierlich Werke für die Sammlung.



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