Karl Schmidt-Rottluff
Landschaft (Russischer Wald)
Auf Japan. Einer von 25 Drucken auf diesem Papier.
Rechts unten mit Bleistift signiert. Links unten in der Ecke mit Bleistift Vermerk "DA".
20,1 x 26,2 auf 31,6 x 41,2 cm.
Schapire 229
Während des I. Weltkrieges war Karl Schmidt-Rottluff zunächst als Soldat und später Mitarbeiter der Pressestelle in Kowno im heutigen Litauen stationiert. In seinen Briefen in die Heimat äußert er sich begeistert über die Landschaft, der er begegnet. In einem Brief an das Ehepaar Herrmann in Berlin schreibt er am 4. Juli 1915 scherzhaft: „Wenn ich mich noch lange in Russland herumtreibe läuft mein ganzer Patriotismus und Deutschenstolz Gefahr, kaputt zu gehen – die russische Landschaft mit ihrer großen slavischen Verträumtheit gefällt mir zu sehr.“ Es entstehen einige Holzschnitte, welche dies bezeugen. Mit den Kriegsjahren nimmt jedoch auch die Erschöpfung und Unzufriedenheit des Künstlers mit der Kriegssituation zu. Im Holzschnitt „Landschaft (Russischer Wald)“ kommt dies sehr stark zum Tragen. Die Nadelbäume ragen hoch in den Himmel und erscheinen scharfkantig, wie Schwerter. Sie wirken ausgemergelt, aber durch ihre Standfestigkeit doch von Dauer. Man möchte meinen, dass Schmidt-Rottluff mit diesem Holzschnitt sozusagen eine Metapher für den Zustand der Soldaten in den letzten Kriegsmonaten schuf.
Aus: Die Schaffenden, Jg II, Mappe3, Gustav Kiepenheuer, Weimar 1920.
Als Mitbegründer der Dresdner Künstlervereinigung «Brücke» und bedeutender Vertreter des deutschen Expressionismus zählt Karl Schmidt-Rottluff, 1884 in Rottluff geboren, zu einem der wichtigsten Künstler, Grafiker und Plastiker der Moderne. Dem «Brücke»-Leitprinzip folgend, sucht Schmidt-Rottluff in der formalen Vereinfachung, bewussten Vergröberung und Übersteigerung der Farbe seinerzeit avantgardistische Wege, um einen neuen Kunst- und Lebensstil auszudrücken. Dabei zählt zu seinen bevorzugten Motiven der Mensch in Bewegung und in Natur, der Akt, der Zirkus, das Varieté, das Leben in der Grossstadt und die unberührten Landschaften an der Nord- und Ostsee.
Schon während der Schulzeit in Chemnitz lernt Schmidt-Rottluff den um ein Jahr jüngeren Erich Heckel kennen und beginnt mit ihm 1905 ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule in Dresden. Dort erfolgt gemeinsam mit den Kommilitonen Ernst Ludwig Kirchner und Fritz Bleyl die Gründung der «Brücke» (bis 1913) und die Arbeit als freischaffende Künstler. Schmidt-Rottluff verbringt dabei die Sommer in Dangast (1907-1910). 1911 zieht er gemeinsam mit Kirchner und Heckel nach Berlin und nimmt an wichtigen Werkschauen teil, beispielsweise an der «Neuen Secession» in Berlin (1910) und an der 2. Ausstellung des «Blauen Reiters» in München (1912). Aufenthalte an der Ostsee (Fehmarn, Nidden und Hohwacht) sowie in den 1930er Jahren in Jershöft und in Italien, Paris und im Tessin folgen. Während des Zweiten Weltkrieges wird er von den Nationalsozialisten als «entarteter» Künstler diffamiert und mit einem Ausstellungs- und Malverbot belegt. 1947 erhält er eine Professur an der Kunsthochschule in Berlin Charlottenburg und nimmt 1955 an der ersten documenta in Kassel teil.
1964 initiiert er die Gründung des Brücke Museums in Berlin-Dahlem und erwirbt bis zu seinem Tod 1976 kontinuierlich Werke für die Sammlung.
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