Ernst Ludwig Kirchner

Davoser Berglandschaft im Sonnenschein

1934
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Werkangaben

Aquarell über Bleistift auf leichtem satiniertem chamois Papier.

21,5 x 16 cm.

Rückseitig mit dem Nachlass-Stempel und der Bezeichnung "St. 190" in blauer Kreide sowie mit den Nummerierungen "K 832" und "C 2995" in Bleistift.

Obj. Nr: 
80683
Preis auf Anfrage
WEITERE INFORMATIONEN

Durch die Übersiedlung 1917 nach Davos, wurde Ernst Ludwig Kirchner mit einer für ihn ungewohnten Umgebung konfrontiert. Fern von den grossen durch Hektik und Industrialisierung gekennzeichneten Grosstädten wie Dresden und Berlin, sollte er hier mitten in den Alpen die notwendige Ruhe finden, um sich - vom Krieg und Krankheit geschwächt - gesundheitlich zu erholen. Er mietete in Davos-Frauenkirch zuerst das Haus „In den Lärchen“, später das „Auf dem Wildboden“. Die Sommermonate verbrachte er in einer Bauernhütte auf der Stafelalp. Hier sind von da an die Inspirationsquellen zu finden, die sein Werk bis zu seinem Tode 1938 bestimmen sollten.

Es fiel dem Künstler nicht schwer, in der ihn umgebenden Landschaft etwas vergleichbar überwältigendes zu finden und so nahmen beeindruckende Alpenlandschaften, Darstellungen des Bauernlebens, weidender Kühe oder Alpauftriebe den Platz der städtischen Häuserfronten mit den ungeduldigen und angespannten Passanten ein. Die von ihm bewohnten Bauernhäuser in Davos-Frauenkirch und ganz besonders die Holzhütte auf der Stafelalp boten sich hierfür ganz besonders als Beobachtungsorte an. Wurden doch hier oberhalb der Baumgrenze die Kühe während der Sommermonate auf die Weide gebracht. Minutiös beobachtete Kirchner das Leben dieser Menschen und Tiere und hielt den Ablauf ihres täglichen Lebens in seinen Werken fest.

Landschaft und Bauernleben, Darstellungen von Schluchten, tosender Bachtobel, Waldausschnitten sowie Berglandschaften zeigen die Auseinandersetzung des Künstlers mit der für ihn neuen Umgebung.

angaben zum künslter

Ernst Ludwig Kirchner wird am 6. Mai 1880 in Aschaffenburg geboren. Nach seinem Abitur beginnt er im Jahr 1901 ein Architekturstudium in Dresden. In dieser Zeit entstehen Kirchners ersten Gemälde. Im Juni 1905 gründet er gemeinsam mit seinen Kommilitonen Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff die Künstlergemeinschaft Brücke. 1906 veröffentlicht die Brücke ihr Programm in einem Holzschnitt Kirchners. Dieser fertigt neben ersten plastischen Arbeiten auch zahlreichen Druckgrafiken an. Das Experiment mit Technik und Farbe steht dabei für ihn im Vordergrund. In Berlin lernte er 1912 seine Lebensgefährtin Erna Schilling kennen. Im Jahr darauf löst sich die Brücke nach Differenzen über die von Kirchner verfasse Chronik der Brücke auf.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges meldet sich Kirchner trotz voriger Ängste freiwillig zum Kriegsdienst. Er wird jedoch bald aufgrund seiner schlechten psychischen Verfassung entlassen und für dienstunfähig erklärt. Nach Aufenthalten in verschiedenen Sanatorien in Deutschland und in der Schweiz führt die Suche nach Heilung Kirchner 1917 erstmals nach Davos. Bereits ein Jahr später bezieht er das Bauernhaus «In den Lärchen», 1923 dann gemeinsam mit Erna den «Wildboden». Er fertigt in dieser Zeit skulpturale Möbel und beginnt, das umliegende Alpenpanorama in farbenprächtigen Gemälden festzuhalten. Sein sogenannter Neuer Stil ist geprägt von einer abstrahierten Formensprache, konturierten Farbflächen und leuchtenden Kontrasten.

Kirchner leidet unter der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland und der Diffamierung seiner als «entartet» ausgestellten Kunst. Er fürchtet einen Einmarsch der Wehrmacht nach Graubünden und beginnt, seine Gemälde zu übermalen und Skulpturen und Druckstöcke zu zerstören. Am 15. Juni 1938 erschiesst sich der erneut von Krankheit gezeichnete Künstler unweit seines Hauses.