Ernst Ludwig Kirchner

Drei Akte im Wasser

1910
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Werkangaben

Lithografie

32,6 x 38,4 cm auf 37,7 x 45,5 cm

Auf Velin. Einer von bisher nur 5 bekannten Exemplaren. Unten rechts signiert und  mit "Handdruck" bezeichnet. Rückseitig mit dem Nachlass-Stempel und der Bezeichnung "L 157" in Tusche und den Nummerierungen K3535, C-1233 und 3159 in Bleistift sowie dem Stempel "Unverkäuflich E L Kirchner".

Gercken 460; Dube L 195

Obj. Nr: 
80155
Preis auf Anfrage
WEITERE INFORMATIONEN

Im August 1910 zweiter Aufenthalt Kirchners an den Moritzburger Teichen mit Heckel, Pechstein und Fränzi. Hier eine stark abgekürzte Badeszene in einem der Teiche. Letzterer nur durch eine Ufer-Umrisslinie einer kleinen quer im Bild liegenden Bucht angedeutet. In dieser drei nebeneinander stehende Badende, die Unterschenkel im Wasser. Auch ihre Körper in den stark reduzierten Umrisslinien des Jahres 1910, die oft nur mehr aus winklich oder gar spitz aufeinandertreffenden Geraden bestanden, Körper, die einen knochigen Eindruck hinterlassen. Der Stil dürfte von den mageren Körpern der Kind-Modelle dieses Jahres bestimmt worden sein.

Die Beschreibung von Kirchner und Schiefler:

"Im Vordergrunde die weisse Fläche des ufergeländes, welche durch einen schmalen Wasserlauf unterbrochen ist. Dahinter ein Teich mit drei bis an die Knie im Wasser stehenden Badenden. In der Mitte ein breitbeinig stehender mann (von vorn gesehen), l. eine Figur (halb von der Seite gesehen, nach r.), die mit halb erhobenen Armen auf ihn zuschreitet, r. eine stehende Figur (halb vom Rücken gesehen, nach l.). Die rückwärtige Uferlinie des Teiches im Hintergrunde stark ausgebuchtet."

Weitere Exemplare in folgenden Sammlungen: Kirchner Museum Davos; Solomon R. Guggenheim Museum New York; Graphische Sammlung Staatsgalerie Stuttgart.

Rückseitig auf ehemaligem Rückkarton des Rahmens mit Etikette: "Sammlung Olbricht, Meisenburgstr. 153, 45133 Essen".

angaben zum künslter

Ernst Ludwig Kirchner wird am 6. Mai 1880 in Aschaffenburg geboren. Nach seinem Abitur beginnt er im Jahr 1901 ein Architekturstudium in Dresden. In dieser Zeit entstehen Kirchners ersten Gemälde. Im Juni 1905 gründet er gemeinsam mit seinen Kommilitonen Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff die Künstlergemeinschaft Brücke. 1906 veröffentlicht die Brücke ihr Programm in einem Holzschnitt Kirchners. Dieser fertigt neben ersten plastischen Arbeiten auch zahlreichen Druckgrafiken an. Das Experiment mit Technik und Farbe steht dabei für ihn im Vordergrund. In Berlin lernte er 1912 seine Lebensgefährtin Erna Schilling kennen. Im Jahr darauf löst sich die Brücke nach Differenzen über die von Kirchner verfasse Chronik der Brücke auf.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges meldet sich Kirchner trotz voriger Ängste freiwillig zum Kriegsdienst. Er wird jedoch bald aufgrund seiner schlechten psychischen Verfassung entlassen und für dienstunfähig erklärt. Nach Aufenthalten in verschiedenen Sanatorien in Deutschland und in der Schweiz führt die Suche nach Heilung Kirchner 1917 erstmals nach Davos. Bereits ein Jahr später bezieht er das Bauernhaus «In den Lärchen», 1923 dann gemeinsam mit Erna den «Wildboden». Er fertigt in dieser Zeit skulpturale Möbel und beginnt, das umliegende Alpenpanorama in farbenprächtigen Gemälden festzuhalten. Sein sogenannter Neuer Stil ist geprägt von einer abstrahierten Formensprache, konturierten Farbflächen und leuchtenden Kontrasten.

Kirchner leidet unter der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland und der Diffamierung seiner als «entartet» ausgestellten Kunst. Er fürchtet einen Einmarsch der Wehrmacht nach Graubünden und beginnt, seine Gemälde zu übermalen und Skulpturen und Druckstöcke zu zerstören. Am 15. Juni 1938 erschiesst sich der erneut von Krankheit gezeichnete Künstler unweit seines Hauses.